Biographie. 189
Sie das Hohelied des Königs Salvmv gelesen? Nun, so lesen Sie esnochmals, und Sie finden darin alles, was ich Ihnen sagen könnte."
Wenige Wochen später hatten sie eine gemeinsame Wohnunggemietet, führten gemeinschaftlichen Haushalt und etablierten so einejener rrrsnuAss xarisisns, für die Heine stets eine lebhafte Schwärmereiempfunden hatte, da er unter dem Worte „Weib" immer etwas ganzanderes verstand, als „eine durch Geldmäkler und Pfaffen angekuppelteEhefrau". Mathilde war eine tüchtige Hausfrau geworden, „trotzihrer tollen Laune", wie Heine versichert — „und unser Ehestandist ebenso moralisch wie der beste in Krähwinkel."
Fragen wir uns nun, was den deutschen Dichter an die fran-zösische Grisette fesselte, so wird die Antwort hierauf nicht schwerfallen. Zunächst mag allerdings die äußere Erscheinung der graziösenFranzösin Heine gefesselt haben, dann aber und auf die Dauer zogihn doch wohl mehr ihr Wesen an, ihre muntere Laune und Lachlust,ihre naive Unbefangenheit und ihre entzückende Unwissenheit. Nichtzum wenigsten hat hier die Eitelkeit Heine mitgespielt; es schmeichelteihm, „daß die Bewunderung des Dichters nichts mit ihrer Liebe zuschaffen hatte", denn sie verstand kein deutsches Wort, außer etwa:„Nehme Sie Plaß", und hatte keine blasse Ahnung davon, daß ihrGeliebter ein großer Dichter sei. „Sie hat von mir nicht eine Silbegelesen," erzählte er Frau Jaubert nnt besonderem Behagen, „undsie weiß gar nicht, was ein Dichter eigentlich ist." „Wir leben ein-gezogen und so halb und halb glücklich," schreibt er au einen Freundim Oktober 1837, „diese Verbindung wird aber ein trübes Endenehmen; es ist deshalb heilsam, dergleichen vorher zu wissen, umnicht vom dunklen Augenblick bezwungen zu werden."
Solche Stimmungen traten indes nur dann ein, wenn seinkörperliches Leiden, eine ökonomische Bedrängnis oder ein Anfall vonEifersucht ihm Mißbehagen verursachte. Seine materielle Lage wnrdedurch diese Verbindung natürlich auch nicht glänzender. So einfachHeine anch lebte, er konnte doch nie zu einer behaglichen Existenzgelangen, weil weder er noch Mathilde haushälterisch mit dem Geldeumzugehen verstanden haben. Große Badereisen im Sommer, oft-maliger Wohnungswechsel im Winter und viele andere Ausgabenverschlangen seine nicht allzugroßen Einnahmen und brachten ihn inewige Geldverlegenheiten. Durch die Bekanntschaft mit James vonRothschild und einigen andern deutschen Bankiers kam er sogar aufdie Idee, sich in gewagte Börsenspekulationen einzulassen. Leidermißglückten dieselben und Heine verlor nicht nur seine geringen Er-sparnisse, sondern geriet noch in Zahlnngsverlegenhciten. Er wendetesich an den reichen Oheim mit der Bitte, ihm zu helfen, erhielt aberstatt einer Unterstützung nur einen Brief voller Vorwürfe. SolomonHeine hatte seinem Neffen eine jährliche Rente von 4999 Frank