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1 (1900) Buch der Lieder Biographie
Entstehung
Seite
128
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128 Biographie.

Auf durchaus sicheren Boden trat Heine, als er die Nachfolgerdes Königsberger Philosophen behandelte. Schon seine Darstellungder Philosophie Füchtes zeigt ein Abwenden von denjenigen Äußer-lichkeiten, mit denen er seine Aufsätze zu schmücken glaubte, und eintieferes Eingehen auf den Kern jener philosophischen Ideen. Dieromantische Philosophie Schöllings führt Heine sehr richtig auf denPantheismus Spinozas zurück und mit der Darstellung der Lehreseines großen Meisters Hegel beschließt er seine Geschichte der philo-sophischen Revolution in Deutschland.

Alan kann sich den Eindruck vergegenwärtigen, den eine solcheDarstellung auf die Franzosen ausüben mußte. Aber auch in Deutsch-land, wo man die Geschichte der philosophischen Bewegung doch genaukannte, fand das Buch reichen Anklang. Dieser rücksichtslose, leicht-fertige, aber geistvolle und witzige Ton der Behandlung wissen-schaftlicher Fragen war in Deutschland bis dahin etwaS Unerhörtes,ein kühnes Wagnis, das nur das Gelingen rechtfertigte.

Mit ungleich größeren Prätensionen trat Heines BuchZurGeschichte der neueren schönen Litteratur in Deutschland", das erspäter selbstdie romantische Schule" nannte, auf. Es sei nötig, sosagte er, nach Goethes Tode dem deutschen Publikum eine litterarischeAbrechnung zu schicken. Diese und zugleich ein neues Programm derZukunft, sollte seine Schrift sein. Er fühlte die Verpflichtung, mehrals jeder andere, eine derartige Abrechnung zu geben. Hatte er dochseine eigene Bedeutung wiederholt selbst dahin präcisiert, daß seinePoesie den Auflösungsprozeß der Nomantik und zugleich den Beginneiner neuen Kunstperiode enthalte.

Die deutsche Ausgabe des Buches wurde von der Censur ingeradezu empörender Weise verstümmelt; Heine protestierte dagegenin der Allgemeinen Zeitung und provozierte eine Erwiderung Campes,der jene Verstümmelung für das glorreiche Werk einer Behörde er-klärte, die über alles Rügen erhaben ist. Heine schloß deshalb dieVorrede seines Buches mit dem wehmütigen Stoßseufzer:DemMitleid der ewigen Götter empfehle ich das Heil des Vaterlandesund die schutzlosen Gedanken seiner Schriftsteller."

Über den Zweck seiner Schrift sprach sich Heine in der Einleitungzu derselben und in einer seinein französischen Publikum gegenübernicht hoch genug anzuschlagenden Offenheit aus.

Ans diese Darlegung hin durfte er es wagen, eine Charakteristikjener großen littcrarischen Bewegung ihnen zu bieten, die mit derneufranzösischen Romantik wohl manche Berührungspunkte hatte, diewohl aus denselben Grundmotiven, einer Auflehnung gegen dieklassische Periode, entsprungen war, deren Ziele aber himmelweit von-einander verschieden waren. Selbst wenn man der Arbeit Heinesjede innere Berechtigung abspricht, das eine muß man ihm zugestehen,