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1 (1900) Buch der Lieder Biographie
Entstehung
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117
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Biographie. 117

Einzig und allein von diesem Gesichtspunkte aus muß daS ganzefernere Leben Heines beurteilt werden.

Der Grundton seines Schaffens bleibt stets das Heimweh unddie Sehnsucht nach Deutschland. Dieser Grundton durchzieht allcS,was Heine schrieb und sprach, solange er in Frankreich lebte, seineKorrespondenzen und Aufsätze, seine Briefe und Gedichte; er klingtbald leise und wehmütig, bald laut und stolz an und folgt fast stetsder schneidendsten Ironie auf dem Fuße.

Wenn die Feinde des Dichters diese Ironie für Haß gegenDeut schland ausgaben und seinen Patriotismus verdachtigten, sogeschah dieses in böswilliger Absicht; wenn man aber gegen Heineheute noch mit denselben Anklagen auftritt, so geschieht dies auserbärmlicher Kurzsichtigkeit.

Die Kontroverse über HeineS politische Gesinnungen war damalsan der Tagesordnung in Deutschland. Aus dem Wirrwarr derdeutschen Verhältnisse im allgemeinen, sowie der litterarischen An-griffe im besonderen, die sich damals gegen Heine in bedenklicherWeise mehrten, trat für ihn nur die eine Thatsachc klar heraus, daßes ihm vorläufig unmöglich sei, nach Deutschland zurückzukehrenund daß er seinen Einfluß auf das deutsche Volk verloren habe.Dazu kamen zahlreiche Censurplackereien und Bücherverbote — unddies war der Moment, in welchem Heine den Versuch machte, sich inFrankreich ein Publikum zu schaffen.

Der Dichter und sein Publikum in Deutschland befanden sichgegeneinander in gründlicher Verstimmung. Die alte Neigung fürden Sänger des „Buches der Lieder" war geschwunden, und alsHeine auch seine Korrespondenzen für die „Augsburger AllgemeineZeitung" einstellen mußte, hatte er fast gar keine Berührungspunktemehr mit dem geistigen Leben Deutschlands, lind auch keine Rück-sichten gegen dasselbe.

Ist es nun ein Wunder, wenn Heine zu jener Zeit die Brücke,die ihn noch mit dem Vaterland verband, gänzlich abbrach und sichdem Franzosentum gänzlich in die Arme warf? Damals entstandendie „Memoiren des Herrn von Schnabelewopski" und jene Lieder,welche den ersten Band deS „Salon" vervollständigten, der imDezember 1833 zur Ausgabe gelangte und von den meisten deutschenRegierungen sofort verboten wurde. Man muß sich immer undimmer wieder diese Zeitperiode und die Lage Heines vergegenwärtigen,um nicht zu einem lieblosen und ungerechten Urteil über dieseSchöpfungen zu gelangen.

Mochte es immerhin wahr sein, was er in der Vorrede zu diesem

*) Bei der Ordnung der Gesamt-NusgaVe verschwand der Sanuneltitel„Salon". Die Bestandteile wurden den jetzigen Rubriken „Über Deutschland" w.eingeordnet.