Biographie. 115
gefährlichsten Demagogen setzten und wenn Metternich ihn dnrchGentz für einen „verruchten Abenteurer" erklären ließ.
Heine, durch alle diese Angriffe in empfindlichster Weise verletztund gereizt, unternahm es nun, seine politischen Berichte für die„Augsburger Allgemeine Zeitung" in einem Buche unter dem Titel„Französische Zustände" zu sammeln und alsbald herauszugeben.Dazu schrieb er, um seinen Standpunkt den Verdächtigungen gegen-über, die von konservativer wie von demokratischer Seite gegen ihnausgestreut wurden, klar zu legen, eine geharnischte Vvrrede, derenKühnheit und Schärfe, trotz der gegenteiligen Versicherung, die da-maligen Machthaber in Deutschland ganz besonders reizen und be-leidigen mußte. Er war sich klar, daß diese Vorrede, „das leiden-schaftliche Produkt seines Unmuts über die bundestäglichen Beschlüsse",ihm vielleicht auf immer die Rückkehr nach Deutschland versperren würde,trotzdem, schrieb er sie, einem innersten Drang seines Herzens folgend.
Diese Vorrede wurde nun von der deutschen Censur entsetzlichverstümmelt; an vielen Stellen war sie geradezu in ihr Gegenteilverkehrt worden. Heine legte gegen diese Unterdrückung Protest inder „Augsburger Allgemeinen Zeitung" ein und verlaugte nun vonCampe, daß er die Vorrede an einem andern Orte und unter einerandern Form nochmals als Broschüre drucken lasse. Leider ist dasBenehmen HeineS in dieser Angelegenheit durchaus nicht tadelfrci.Die Briefe an Campe aus jener Zeit zeigen ein beständiges Hin-nnd Herschwanken, eine ewige Zaghaftigkeit und Besorgnis, die schlechtzu der Attitüde eines Märtyrers für die Freiheit paßt. Kaum hatCampe eingewilligt, und die Broschüre wandert in die PiererscheDruckerei nach Altenburg, da erfaßt Heine eine namenlose Angst vorden Folgen und er befiehlt eiligst, die ganze Auflage zu vernichten.Dies geschah auch, und nur wenige Abzüge blieben übrig, von denender eine zu Campe, der andere nach Paris wanderte, wo bald darauf— — im Juli 1833 — die Borrede trotz alledem und alledem inunverkürzter Form erschien.
XI.
Wenn Heine selbst als seine Lebensaufgabe: die Vermittlungund Versöhnung zwischen Deutschland und Frankreich bezeichnet, sowird man auch bei kühlster und objektivster Betrachtung zugestehenmüssen, daß er an dieser großen Ausgabe fast vom ersten Tage seinesPariser Aufenthaltes an bis in seine letzten Lebensjahre unermüdlichgearbeitet hat. Er suchte dieses Ziel von allen Seiten zu fassen, zubeleuchten, und ließ keinen der Wege imbetreten, die zur Erreichungdesselben führen konnten. Er begann damit, das Borurteil gegenFrankreich in Deutschland zu entkräften; freilich war dieses Bestrebennur von geringem Erfolg gekrönt.
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