104 Biographie.
Heine hatte anfangs die Absicht, auch nach Rom zn gehen, abernachdem er etwa zwei Monate in Florenz verweilt, übersiel ihn eineso mächtige Sehnsucht nach der Heimat und nach dem Vater, daß erschleunigst seine Rückreise antrat. In der That erhielt er in Venedigvon seinem Bruder die Nachricht, daß der Vater lebensgefährlich er-krankt sei und daß er in Würzburg, bei einem Herrn Textor, weitereNachrichten erhalten würde.
Nach einer mühseligen Reise in Würzburg angelangt, empfinger dort die Nachricht, daß sein Vater gestorben sei. Sein einzigerGedanke war nun, eiligst in die Heimat zurückzukehren, um Mutterund Geschwister zn trösten. Samson Heine war am 2. Dezember 1828an einem Nervenschlag gestorben, und als Heine in Hamburg ein-traf, bereits auf dem israelitischen Friedhof in Altona zur ewigenRuhe gebettet.
Mit seiner Familie lebte Heine damals in innigster Harmonie;die wehmütige Stimmung über den Verlust deS Vaters vereinigtesich mit der Sorge um die über alles geliebte Mutter. Noch vieleJahre später sagte er einmal zu Adolf Stahr: „Ich habe den Ver-lust meines Vaters jahrelang nicht begreifen und nie verschmerzenkönnen." Und es dauerte ziemlich lange, bevor er sich von diesemSchlag erholen konnte, um wieder an seine Arbeiten und Plänedenken zu können. Da ihm in München alle Aussichten verschlossenwaren, ging Heine im Anfang des Jahres 1823 wieder nach Berlin,um dort mit Hilfe Varnhagens und anderer einflußreicher Freundeseine Bemühungen zur Erlangung einer Staatsanstcllung fortzusetzen.In Berlin empfingen ihn altgewohnte und liebe Verhältnisse, wie daszu Rahel und Barnhagen, zu Znuz und Moser, neue und meistinteressante, wie das zu Achim von Arnim und Bettina, zn HeinrichStieglitz und seiner unglücklichen Galtin, zu Felix Mendelssohn,Moritz Veit und Franz Kugler. Das Profilbild, welches letzterervon dem jungen Dichter entworfen Hai, ist allgemein bekannt; es isteins der ähnlichsten Bilder aus der Jugendzeit des Dichters undenthält auf der linken Seite die Randbemerkung Heines: „So sahich aus den 6. April 1829."
Der melancholische Ausdruck dieses Bildes stimmt genau übereinmit seinen Schriften und Briefen aus jener Zeit.
Im Frühling verlebte Heine einige einsame Wochen in Pots-dam in ländlicher Abgeschiedenheit; hier arbeitete er die Fortsetzungdes dritten Bandes der „Neisebildcr" ans. Er verkehrte mit niemandemals mit Heinrich Stieglitz und seiner Frau, und empfing nur dieBesuche seiner beiden Verleger Campe und Cotta. Die Verbindung mitletzterein wurde wieder ausgenommen und ein Teil des bereits fertigenManuskripts der italienischen Reise an das „Morgeublatt" gesandt.
Ansang August begab sich Heine wieder nach Helgoland zum