1Vl> Biographie.
vornehme Herr würde ihm Huldigungen, die seiner Dichtcrgröße ge-bührten, darbringen; er wurde aber bitter enttäuscht, da er ihn imNamen des Gesetzes für verhaftet erklärte und auf dem Schub überdie Grenze brachte. Natürlich waren solche Plackereien nur geeignet,in dem jungen Schriftsteller die Meinung von seiner Bedeutung undGefährlichkeit noch zu steigern.
Nachdem Heine noch in Stuttgart Wolfgang Menzels Bekannt-schaft gemacht hatte, reiste er direkt nach München, wo er in den letztenNovcmbertagen des Jahres 1827 eintraf.
Dort erwartete ihn bereits der Freiherr von Cotta mit Ungeduld.Der erfahrene Buchhändler wollte Heine unter allen Umständen fürseine litterarischen Unternehmungen gewinnen. Heine sollte mitLindncr zusammen die Annalen redigieren und außerdem ständigerMitarbeiter der beiden im Verlag Cottas herausgegebenen Zeit-schriften „Das Ausland" und „Das Morgenblatt" werden. Dafürbot ihm Cotta ein Jahresgchalt von 2VVV Gulden an. Heinenahm das Anerbieten an, da ihm Cotta nur unbestimmte Ver-pflichtungen auferlegte.
Bekannte er doch seinem Verleger gegenüber mit merkwürdigerOffenherzigkeit, daß weder seine politischen Kenntnisse noch seineSchreibart ihn zum Redacteur eines derartigen Journals befähigten;und an seinen Freund Merckel schrieb er über seine Thätigkcit anden „Annalen": „Meine Finanzen sind zerrüttet, ich habe Schulden,will diesen Sommer wieder ins Bad, und wenn ich von Cotta, derreichlich für mich sorgt, soviel Geld nehme, muß ich auch etwas liefern.Drum sollen in jedem Heft der ,Annalciü wenigstens ein paarBlätter auS meiner Feder kommen. Auch liegt viel Rcnommage zuGrunde; ich zeige der Welt, daß ich etwas Anderes bin, als unseresoncttierenden Almanachpoetcn."
Damit stimmt es ziemlich genau überein, daß Heine schon inseinem ersten Brief aus München ankündigt: „Die Annalen sollenmir wenig Mühe machen", ein Wort, daS er allerdings in vollemUmfange gehalten hat, denn mit Ausnahme seiner englischen Reise-berichte und einiger wenigen redaktionellen Notizen, hat Heine für die„Politischen Annalen" so gut wie nichts geschrieben. Zum Teil lagdie Schuld an äußeren Gründen: Bald nach seiner Ankunft inMünchen wurde er ernstlich krank, und er trug sich schon mit derAbsicht, seitie Papiere zu ordnen und für den Fall seines AbsterbensFriedrich Merckel mit der Herausgabe zu betrauen; als er wiedergesundete, gewährten ihm seine gesellschaftlichen Beziehungen nurgeringe Muße für schriftstellerische Arbeiten. Der Hauptgrund jedoch,weshalb sich Heine fast gar nicht um die „politischen Annalen" be-kümmerte und weshalb er in seinen Aufsätzen aus jener Zeit sichder größten Mäßigung befliß, so daß er sogar jede freisinnige Äußerung