Biographie. 89
tualismns gegen Heilcneische Lebcnsherrlichkcit führte, ein Zweikampf,der noch immer nicht entschieden ist und vielleicht nie ausgekämpftwird; der kleine Naznrcncr haßte den großen Griechen, der noch dazuein griechischer Gott war."
Die deutsche Literaturgeschichte von Wolfgang Menzel war ebenerschienen, und Börne zeigte sich hocherfreut, daß jemand gekommen sei,der den Mut habe, so rücksichtslos gegen Goethe aufzutreten.
In ihren politischen Anschauungen, in ihrer Antipathie gegen„den Aristokratenknecht Goethe" und in ihren Sympathien für Frank-reich waren die beiden Männer einig. Ihre Wege trennten sich, woHeines Egoismus und sein klarer Blick oder Börnes „nazarenischeBeschränktheit" hervortraten. Obwohl Heine damals nicht allzugutans Goethe zu sprechen war, da man ihm aus Berlin sehr ungünstigeÄußerungen des Dichters über die Ncisebilder berichtet hatte, durchdie Goethe seiner Meinung nach „das Völkerrecht der Geister verletzthatte", vermochte er doch nicht in den absprechenden Ton einzustimmen,den Börne, und vor allem Wolfgang Menzel, gegen Goethe anschlugen.
Aber im Grunde war es doch dieselbe demokratische Weltanschauung,die Heine, wie Börne und Menzel zu ihrem Angriffe gegen Goethegetrieben, lind mochte er sich auch selbst für einen Hellenen halten
— er behauptete ja: alle Menschen seien entweder Juden oder Hellenen
— damals, als er mit Börne durch die Frankfurter Judcngasse ging,war er kein lebensfreudiger, entfaltungsfrohcr Hellene, sondern vieleher ein historischer, vergeisterungssüchtiger Nazarener, der seinenfrüheren Glanbensgenossen weit näher stand als Ludwig Vorne.
Die drei Tage des Frankfurter Aufenthalts verflossen „in fastidyllischer Friedsamkcit". „Hüten Sie sich, in München mit denPfaffen zu kollidieren", waren die letzten Worte, die Börne demscheidenden Freunde beim. Abschied ins Ohr flüsterte, und wehmütigblickte er dem Dahingehenden nach, „wie ein alter Seemann, der sichaufs feste Land zurückgezogen hat und sich von Mitleid bewegt fühlt,wenn er einen jungen Fant sieht, der sich zum erstenmal aufs Meerbcgicbt". Heine aber ging siegesgewiß in seine neue Zukunft hinein,denn er trug an Bord seines Schiffes „die Götter der Zukunft".
In Heidelberg besuchte Heine seinen die Medizin studierendenBruder Max und hielt sich dort mehrere Tage auf. Vincenz vonZuccalmaglio erzählt ein interessantes Abenteuer, das dem Dichterdamals passierte. Eines Tages machte Heine mit einer PartieStudenten einen AuSflug nach der Wartburg bei WeinSberg, jenseitsHeilbronn. Plötzlich trat ein württembergischer Pvlizeimann in Civil-kleidern unter die zechenden Studenten und ließ sich von einem der-selben den Verfasser der „Reisebilder" zeigen. Er ging dann ansHeine zu und frug ihn, ob er die Ehre habe, den Dichter Heine vorsich zu sehen. Dieser schien freudig berührt, in der Meinung, jener