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1 (1900) Buch der Lieder Biographie
Entstehung
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92
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92 Biographie.

sollen; selbst die Freunde thun erschrecklich tugendhaft als ordnungs-liebende Gelehrte und Bürger — kurz, aus serviler Angst wird allesgetadelt." Mit seiner scharfen Beobachtungsgabe hat Varnhagen inseiner knappen Weise den Eindruck der Ncisebildcr völlig zutreffendgeschildert. „Es war eine niedergedrückte, arretierte Zeit in Deutsch-land," schrieb Heine später einwal, „als ich den zweiten Band der,Rcisebilder° schrieb und während des Schreibens druckenließ. Ehe er aber erschien,, verlautete schon etwas davon imPublikum; es hieß, mein Buch' wvlle den eingeschüchterten Freiheits-mnt wieder aufmuntern, und man treffe schon Maßregeln, es eben-falls zu unterdrücken." Die Ahnung Heines täuschte ihn nicht, baldnach dein Erscheinen wurde das Buch von Österreich und Preußen,und nach deren Vorgange von fast allen deutschen Kleinstaaten verboten.

Aber gerade diese Maßregel reizte die Neugier des Publikums imhöchsten Grade und machte das Buch zu einem politischen Zeitereignis.

An demselben Tage, an welchem die „Rcisebilder" in Hamburgausgegeben wurden, trat Heine die längst projektierte Reise nachEngland an. Es scheint doch, als ob ihm die Luft im Vaterlandsetwas zu schwül geworden war. Und wenn mau von den Ver-folgungen liest, denen liberale Politiker und freisinnige Schriftstellerdamals in Deutschland ausgesetzt waren, so wird mau diese Angstberechtigt und begreiflich finden, wenn auch Heine wiederholt ver-sichert, daß nur „das Klugheitsgesetz, daS jedem rate, nichts zuriskieren, wo gar nichts zu gewinnen ist", vor allem aber die Sehnsucht,Hamburg einmal endlich den Rücken zu kehren, ihn weggetrieben habe.

Es war eben eine trübe Zeit in Deutschland, nichts als „Eulen,Ccnsuredikte, Kerkcrdnft, Entsagungsromane, Wachtparaden, Frömmeleiund Blödsinn"; kein Wunder, daß Heine, als er in den letzten Tagendes Aprilmonats in London eintraf und die grünen Ufer der Themseerblickte, England als das Land der Freiheit mit dithyrambischemSchwung begrüßte, und daß in allen Winkeln seiner deutschen Seele„die Nachtigallen erwachten" und in jenes Lied mit einstimmten:„Sei mir gegrüßt, Freiheit, junge Sonne der verjüngten Welt!"

Mit einem solchen jugendlichen Enthusiasmus konnte natürlichder Dichter auch in England nicht das finden, was er suchte, undder gelbe Mann auf dem Verdeck des Schiffes hatte wohl recht,wenn er erklärte, daß jedes Volk von der Religion der Freiheit nurdasjenige annehme, was seinen Lvkalbedürfnissen und seinem National-charakter gemäß sei. Da die Engländer ein häusliches Volk seien,so wären sie mit jener Freiheit zufrieden, die ihre persönlichsten Rechteverbürge und ihren Leib, ihr Eigentum, ihre Ehe, ihren Glaubenund sogar ihre Grillen unbedingt schütze.

Die Beobachtungen, welche Heine im Lande John Bnlls überenglisches Leben und englische Sitten machte, und die Eindrücke,