Biographic. 79
enthält das Gedicht von Heine: „Gekommen ist der Maie", und die Zeit-schrift „Agrippina", die gleichfalls jener Rousseau in Köln herausgab,brachte ebenfalls fünf Heinesche Gedichte und ein mit der Überschrift„Berlin" versehenes humoristisches Soldatenlied, das Heine mitteilte,das aber seines Inhalts wegen die sofortige Unterdrückung jener Zeit-schrift zur Folge hatte.
Rousseau wurde aber nicht müde, und schon am I. Januar 182Sgab er eine neue Zeitschrift „Die Rheinische Flora" heraus, in welcheralle Bonner Studienkollegen und auch Heine mit zwei Beiträgen ver-treten waren. Das genügte jedoch dein unermüdlichen Vielschreiber nicht;er beklagte sich bei Heine, und als dieser ihn in einem ausführlichen,wahrhaft freundschaftlichen Briefe auf das Plan- und Ziellose seinesTreibens aufmerksam machte, kündigte er ihm kurzweg die Freund-schaft. Trotzdem spricht sich Heine auch ferner in der herzlichsten Weiseüber Rousseau in den Briefen an gemeinsame Freunde aus.
In den Sommerferien desselben Jahres unternahm Heine einegrößere Ferienreise durch Thüringen und den Harz, über die er sichan seinen stets unwandelbar treuen Freund Moser in sehr vergnügterStimmung in einem Briefe vom LS. Oktober 1824 ausspricht.
Der heilsame und erquickende Einfluß dieser Reise übertrug sichauch auf die Schilderung derselben. Obwohl Heine behauptete, erhätte dieselbe nur aus pekuniären und ähnlichen Gründen geschrieben;sie sei nur „zusammengewürfeltes Lappcnwerk", war er doch vondem Wert der Arbeit ebenso fest überzeugt, wie sein Onkel Henryin Hamburg, dem er daS Manuskript zur Ansicht geschickt, wieFriederike und Ludwig Robert, die die Arbeit in ihren „Rhein-blüthen" bringen wollten, und wie Professor Kubitz, der die „Harz-reise" im „Gesellschafter" vom Jahre 1826 — freilich etwas stark ver-stümmelt — veröffentlichte.
Die Publikation erregte natürlich in den Kreisen, in denender „Gesellschafter" gelesen wurde, großes Aufsehen und rief eineganze Anzahl Nachahmungen, Kritiken, Ergänzungen und Wider-legungen hervor.
Schon in dem oben erwähnten Briefe an Moser, in dem erzuerst über seine Reise dnrch Thüringen berichtet, fällt die seltsame,ironische Art und Weise auf, in der Heine über Weimar schreibt.In seinem Lob des Bieres, deS Gänsebratens und anderer Dingeverbirgt sich ironisch der Tadel, den er nicht auszusprechen wagt, weiler wie eine Blasphemie erscheinen würde, der Tadel gegen denDichterfürsten von Weimar. Und doch hatte ihn nur der Drangnach Weimar gezogen, Goethe kennen zu lernen — in seinem Buchüber die „romantische Schule" schildert er Goethe nach diesem Besuchin wahrhaft begeisterter Weise: „Wahrlich, als ich ihn in Weimarbesuchte und ihm gegenüberstand, blickte ich unwillkürlich zur Seite.