Druckschrift 
[Hauptbd.] (1906)
Entstehung
Seite
6
Einzelbild herunterladen
 

6

Bas Archiv des Hauses Stubenberg.

I

einstens an das Joanneumsarcliiv abgegeben worden war,einigermaßen sicher zu gehen. Und doch machte mich einUmstand stutzig. Das Übergabsprotokoll trug das Datum des10. November 1815. So früh hatte ich die Übergabe niemalsansetzen zu sollen geglaubt, weil ich unter dem Aktenmaterialja so viel fand, was bei dem Bestand der vormärzlichenWirtschaftsmethoden aus den herrschaftlichen Kanzleien garnicht abgegeben werden konnte. Da waren also neue Zweifel,die nicht gelöst werden konnten. Ich ging zunächst daran,mit Hilfe des Übergabsprotokolls vom Jahre 1815 und einerVergleichung des von Pratohevera mitgeteilten Materials fest-zustellen, was von den Stubenbergschen Urkunden, die dasLandesarchiv heute enthält, aus dem Archive zu Wiedenstammt. Ich nahm alle 639 Urkunden Pratobeveras vor un«verglich Stück für Stück mit den Angaben des Protokolls unddem jetzigen Bestände des Archivs. Da ergaben sich die in-teressanten Tatsachen: erstens, daß die ältesten Urkunden,die die Stubenbergschen Privatarchive enthielten, der Zeitnach dem Jahre 1269 angehörten; die älteren Stubenberg-nummern des steirischen Landesarchivs haben sonach eineandere Provenienz. Sie stammen aus aufgehobenen Stiften,wie Göß, Seckau u. s. w.; zweitens fanden sich bei Prato-bevera doch auch noch viele Nummern, die ich in dem Proto-kolle von 1815 vermißte und die andererseits auch aus keinemKloster, sondern aus Stubenbergscliem Besitze stammten.Ich stand vor der Tatsache, daß außer den Wiedner nochandere Stubenbergsche Materialien an das Joanneumsarchivgekommen sein mußten. Wie war ich nun überrascht, alsder jetzige Direktor des Landesarchivs, Prof Dr. A. Mell, mir,als ich schon am Schlüsse meiner Arbeiten zu stehen ver-meinte, ein Duplikat jenes Übergabsprotokolles von 1815,zugleich aber noch ein Übergabsprotokoll von 249 Urkundenund Akten übergab, die aus dem Schlosse Gutenberg stamm-ten. Sonach war auch dessen Archivsbestand wenigstens zumTeile an das Joanneumsarcliiv abgegeben worden, und indemich nun die Nummern dieser Gutenberger Urkunden mit denenPratobeveras verglich, sah ich, daß es eben jene seien, diemir zuvor abgegangen waren.

Herr Direktor Prof. Dr. A. Mell hatte auch noch diegroße Güte, Nachforschungen über den Erwerb der Archi-valien durch das Joanneumarchiv zu pflegen. Bevor ich aberauf diesen Gegenstand eingehe, möge noch ein anderesMoment betont werden. Im ersten Jahrzehnt des XIX. Jahr-