Druckschrift 
[Hauptbd.] (1906)
Entstehung
Seite
3
Einzelbild herunterladen
 

Das Archiv des Hauses Stubenberg.

3

es von solchen Archiven schließlich heißt: sie sind gewesen.Gebieten es schon archivalische Gesichtspunkte, solche Ar-chive unzerrissen zu lassen, wie viel mehr erst die historischen.Man darf hundert gegen eins wetten, daß der Geschichts-schreiber des Hauses Stubenberg jetzt zahlreiche Dokumentenicht oder doch nur schwer zu Gesichte bekommt, die ihm,wäre das Material beisammen geblieben, niemals hätten ent-gehen können und die für die Geschichte des Hauses immer-hin von Wichtigkeit sind. Um z. B. auf die Beziehungen zukommen, in denen dies Haus zu den Wiedertäufern desXVI. Jahrhunderts steht, müßte jetzt das ganze reiche Akten-material zur Geschichte des Protestantismus in Steiermarkdurchgearbeitet, demnach eine Arbeit geleistet werden, derenGröße und Langwierigkeit zu dem Ergebnisse in keinemVerhältnisse stehen kann, und so wird es in höherem Maßenoch in anderen Dingen der Fall sein. Schließlich habengrößere Korporationen und alte Geschlechter, die ihre Be-stände an moderne Archive abgeben, wohl ein Recht, das,was die Vorfahren gesammelt, auch beisammen zu sehen.

Scheinen diese Bemerkungen vielleicht einer bitterenStimmung zu entspringen, so möge bedacht werden, daß ichim ersten Jahre meiner Tätigkeit auf diesem Gebiete keinÜbergabsprotokoll der Stubenbergakten zur Hand hatte,mittelst dessen ich mich über den Umfang der Stubenberg-schenkung einigermaßen hätte orientieren können; es konntedie Frage nicht gelöst werden, ob alles das, was Pratobeveraan Urkunden und Regesten mitteilt, den Stubenbergaktenentnommen war oder ob noch andere Provenienzen in Fragestanden oder ob Pratobevera nur einen Teil des älterenUrkundenmaterials des Hauses Stubenberg mitteilte, ja eskonnte sogar gefragt werden, ob die Mitteilungen Pratobeverasüberhaupt den Stubenbergakten entstammten, denn wie einBlick in seine Publikation zeigt, wird bei jedem einzelnenRegest nur gesagt, daß die betreffende Urkunde dem Joan-neumsarchiv entnommen ist, eine andere Provenienz aber nichtvermerkt.

Auch von den Vorakten, aus denen sich etwa hättenachweisen lassen, auf wessen Initiative hin sich das HausStubenberg zu dem gewiß nicht leichten Schritte entschloß,sich seiner Archivalien zu entäußern, kam mir nichts zuGesichte; ich hörte nur ein Gerücht, daß, wie in so vielenanderen so auch in dieser Sache, der unvergeßliche ErzherzogJohann auf die hohe Bedeutung dieses zweifellos wichtigsten

l*