207
ein Haar besser, als seinen beiden nahen GeistesverwandtenShakespeare und H og arth'). Um bei ihnen Alles zu sehen,muß man zu der gewöhnlichen Erleuchtung noch sein eigenesLichtchcu mitbringen.
Was gibt denn aber nun diesem Manne die große Überle-genheit? Der Ursachen, mein Freund, sind sehr viele, und einsehr großer Thcil derselben liegt in der höchst glücklichen Bil-dung des Mannes. Allein ob ich gleich ihre Wirkung in derSumme bis zum Hinreißenden mächtig gefühlt habe, so wageich es doch nicht, sie in einem jeden gegebenen Fall zu analy-siren. Es gehört mehr Kenntniß der Welt und nichr Übung indieser Analyse dazu, als ich habe, und eine öftere Vcrglcichung,als ich anstellen konnte. Indessen, da einem Manches im Um-gange mit Menschen von allerlei Stand, Form und Anstandunvermuthet klar werden kann (Manches ist mir jetzt schon deut-licher als es anfangs war), und ich den Mann in den Haupt-situationen mit Figur und Gesicht immer wie lebendig vor mirsehen kann, so könnte es sein, daß ich künftig einmal, wenn ichwieder bei Ihnen bin, etwas Zusammenhängenderes über ihnsagen könnte. Jetzt müssen Sie es selbst hier und da aus mei-nen Briefen heraus suchen. Man hat mich einmal versichernwollen, daß hier ein Man» an einem Werke für die Schauspie-ler arbeite, das Regeln enthalten soll, von Garricken abstrahirt,aber durch Philosophie auf Grundsätze zurückgebracht, verbunden
') William Hogarth, geb. 1697. gest. 1764.