99
wischt ist. Daß nämlich Spitzbuben, Räuber und Beutelschnci-der, oder die nachhcrigcn Karregefangencn, Galeerensklaven undArrestanten bei weitem die niedrigen, verwerflichen Glieder derGesellschaft nicht sind, die man aus ihnen zu machen überallsich befleißiget. Sie sind zwar nicht das Salz der Gesellschaft,so »vthwendig sind sie freilich nicht, aber unter dem Pfeffer,dünkt mich, kann man ihnen einen Platz nicht wohl versagen.Denn man beliebe nur zu bedenken, wenn es keine Menschenmehr gäbe, die ihr Genie antriebe, sich der Karre oder der Ga-leere zu widmen, so müßten wir sogenannten ehrlichen Leuteam Ende fürs Geld selbst hinein. Ich lebe auch in Wahrheit derHoffnung, daß, so wie wir die Bastarde und die Schäfer jetztunter die ehrlichen Leute rechnen, die unsere Vorfahren nicht dafürerkennen wollten, wir mit der Zeit auch dem bedrängten Ordender Spitzbuben eine ähnliche Gerechtigkeit werden angedeihenlassen. Ja, sie sind schon so gut als gesichert, wenn sich die mitRecht beliebte mitleidige Empfindsamkeit unter Nichtern und Ad-vocaten immer weiter ausbreitet, die für jeden Bettler ein Drei-groschenstück, und für jeden Eingekerkerten eine Thräne hat.O, Freunde, ich sehe schon mit Entzücken die Morgenrvtheeiner empfindsamen peinlichen Halsgerichtsordnung über denHorizont von 1800 heraufdämmern, da niemand mehr im Ge-fängnisse lebendig modern, oder kein Unschuldiger mehr denRaben zu Thcil werden wird. Freilich werden alsdann unsereGassen und unsere Landstraßen nicht mehr, ich möchte fast sagen,so schrecklich sicher sein als jetzt, allein wie Roth um das?