34
Verunglimpfung unseres Freundes waren. „ Er trinkt wie einVieh" fugte seine Frau, »das ist freilich wahr," antwortetedie ganze Stadt, und „es kann vielleicht sein," sag' ich, trotzseiner Frau und der ganzen Stadt. Wundern Sie Sich nicht,meine Herren, über meine Zurückhaltung, ich habe über keineMaterie mehr gedacht als über diese, und doch bin ich nie zurück-haltender, als wenn es darauf ankommt, zu sageu, ob es rechtoder uurccht sei zu trinken, und zwar so, was die Leute zuviel triukeu ucnneu. Wir kennen die Vorschriften einer gesun-den Pinik bis jetzt noch viel zn wenig, das was der menschlichenSeele noch jenseits der Boutcillc zugehört, ist noch viel zn un-bekannt, und bisher mehr besehen als bebauet worden. Wiewenn Kunkels Frau zu wenig getrunken hatte? Ist Nüchtern-heit eine billige Richtcrin für den Trinker? Ich glaube, wer weiß,was suüex compolons ist, wird mit mir die Frage mit Nein be-antworten. Es gibt eine Art Wein zu trinken, die sich zu der ge-wöhnlichen niedrigen, die der Deutsche mit Saufen bezeichnet, ebenso verhält, als wie die platonische Liebe zu der thierischen. Sieerlauben mir dieses ein platonisches Trinken zu nennen, dieseskönnte ohnstrcitig wissenschaftlicher behandelt werden als dieLiebe, und meinen Entwurf dazu werde ich Denselben vielleichtanderswo mittheilcn. Freilich werden dazu noch Genies erfor-dert, die mit der Gabe zn trinken, ein gutes Vermögen undeine gute Logik besitzen, mit einem Wort, reiche und studirtcKnnkels, die ihren Agathon neben der Bouteille liegen haben,sonst ist Alles vergebens. Kunkels Neigung zum Trünke wird