Druckschrift 
3 (1844)
Entstehung
Seite
9
Einzelbild herunterladen
 

glücklich macht, zu deren unaussprechlichen Erscheinungen aberunter uns Wieland zuerst die Sprache gesunden hat, der Em-pfindungen so ausspricht, daß sie augenblicklich wieder Empfin-dungen werden, durch deren Wärme die kleinsten Körner einerglücklichen Schwärmerei zu Gefilden von Glückseligkeit aufblü-hen können. Aber was ihr meistens Liebe nennt, ist Hunger,und wird noch keine Liebe durch die zärtliche Etiquette, womitihr euch selbst zu blenden sucht, oder ist tändelnder Wörtertausch,den ein hoher Grad von unmännlicher Eitelkeit unterstützt; die-ses Letztere ist die eigentliche Schwindsucht der Vernunft, wie sieHofmannswaldau heißt, die Mutter unendlicher schlechtenSchriften und vorzüglich das Übel, das ich meine. Eine Em-pfindung mit dem größten geistigen Appetit in sich selbst genos-sen, ist ihm nichts Werth, wenn sie nicht in ein Bricfchcn ge-bracht werden kann. Sie schätzen den Werth ihrer Empfindungnach der Tändelei, die sie ihnen darreicht, und kennen nichtden Genuß seines eignen Selbst, wodurch der philosophische Trin-ker oder Liebhaber sich wieder mit dem Helden ins Gleichgewichtbringt und Thaten aufwiegt, wovon der Ruf durch Jahrtau-sende durchhallt. Der größte Thcil denkt von Allem so einfäl-tig, wie von der Liebe, er getraut sich aber allein in diesemFach zu schreiben, weil sich hier die Natur vielleicht am minde-sten vergreifen läßt, und weil Meisterstücke in dieser Art denUnwissenden eher durch den Schein einer Leichtigkeit zur Nach-ahmung einladen. Also nicht Genie, sondern Verfall der Sec-lenkräfte, nicht Sammlung derselben zu einem Punkt, sondern