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2 (1900) Zeitgedichte [u.a.] Neue Gedichte
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265
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Lejzte Gedichte. 285

Für dir Mouchc.

Es träumte mir von einer Sommernacht,

Wo bleich, verwittert, in deS Mondes GlänzeBanwerke lagen, Reste alter Pracht,

Ruinen ans der Zeit der Renaissance.

Nur hier und da, mit dorisch ernstem Knauf,

Hebt aus dem Schutt sich einzeln eine Säule,

Und schaut ins hohe Firmament hinauf,

Als ob sie spotte seiner Donnerkeile.

Gebrochen auf dem Boden liegen ringsPortale, Giebeldächer und Skulpturen,

Wo Mensch und Tier vermischt, Ccntanr und Sphinx,Satyr, Chimäre Fabelzeitfiguren.

Es steht ein offner MarmorsarkophagGanz unverstnmmclt unter den Ruinen,

Und gleichfalls unversehrt im Sarge lagEin toter Mann mit leidend sanften Mienen.

Karyatiden mit gestrecktem Hals,

Sie scheinen mühsam ihn emporzuhalten.

An beiden Seiten sieht man ebenfallsViel basrelief gemeißelte Gestalten.

Hier sieht man des Olympos HerrlichkeitMit seinen liederlichen Heidengöttern,

Adam und Eva stehn dabei, sind bcid'

Versehn mit keuschem Schurz von Feigenblättern.

Hier sieht man Trojas Untergang und Brand,

Paris und Helena, auch Hektvr sah man;

MvseS und Äarvn gleich daneben stand,

Auch Esther, Judith, Hvlofern und Hainau.

Desgleichen war zu sehn der Gott Amnr,

Phöbus Apoll, Vulkanus und Frau Venus,

Pluto und Prvserpine und Merkur,

Gott Bacchus und Priapus und SilennS.

Daneben stand der Esel Balaams Der Esel mar zum Sprechen gut getroffen

Dort sah man auch die Prüfung AbrahamsUnd Loth, der mit seinen Töchtern sich besoffen.

Hier war zu schnun der Tanz Herodias',

Das Haupt des Täufers trägt man ans der Schiissel,Die Hölle sah man hier und Satanas,

Und Petrus mit dem großen Himmelsschlüsscl.