264 Romancero — Letzte Gedichte.
O, sage mir, ob nicht vielleichtZuweilen dein Gemüt beschlcichtDie Ahnung, die dir offenbart,Daß Schicksalswille uns gepaart?
Vereinigt, war uns Glück hieniedcn,Getrennt, nur Untergang beschiedcn.
Im großen Buche stand geschrieben,Wir sollten uns einander lieben.
Dein Platz, er sollt' an meiner Brust sein,Hier war' erwacht dein Selbstbewußtsein;Ich hätt' dich aus dem PflanzentumcErlöst, cmporgeküßt, o Blume,
Empor zu mir, zum höchsten Leben —Ich Hütt' dir eine Seel' gegeben.
Jetzt, wo erlöst die Rätsel sind,Der Sand im Stundenglas verrinnt —O weine nicht, es mußte sein —Ich scheide, und du welkst allein;
Du welkst, bevor du noch geblüht,
Erlöschest, eh' du noch geglüht;
Du stirbst, dich hat der Tod erfaßt,
Bevor du noch gelebet hast.
Ich weiß es jetzt. Bei Gott! du bist es,Die ich geliebt. Wie bitter ist es,
Wenn im Momente des ErkenncnsDie Stunde schlägt des ew'gen Trenncns!? Der Willkomm ist zu gleicher Zeit
Ein Lebewohl! Wir scheiden heutAuf immerdar. Kein WiedcrschnGiebt es für uns in Himmelshöhn.Die Schönheit ist dem Staub verfallen,Du wirst zerstieben, wirst verhallen.
Viel anders ist es mit Poeten,
Die kann der Tod nicht gänzlich töten.Uns trifft nicht weltliche Vernichtung,Wir leben fort im Land der Dichtung,In Avalnn, dem Feenreiche —
Leb wohl auf ewig, schöne Leiche!