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2 (1900) Zeitgedichte [u.a.] Neue Gedichte
Entstehung
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249
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Letzte Gedichte.

22.

De» Strauß, den mir Mathilde bandlind lächelnd brachte, mit bittender HandWeis' ich ihn ab — Nicht ohne GrauenKann ich die blühenden Blumen schauen.

Sie sagen mir, daß ich nicht mehrDeiti schönen Leben angehör',

Daß ich verfallen dem Totenreiche,

Ich arme unbcgrabne Leiche.

Wenn ich die Blumen rieche, befälltMich heftiges Weinen — Von dieser WeltVoll Schönheit und Sonne, voll Lust und Lieben,Sind niir die Thräncn nur geblieben.

Wie glücklich war ich, wenn ich sahDen Tanz der Ratten der Opera —

Jetzt hör' ich schon das fatale GcschlürfcDer Kirchhofratten und Grab-Maulwürse.

O Blnmcndüfte, ihr ruft emporEin ganzes Ballett, ein ganzes ChorVon "parfümierten Erinnerungen —

Das kommt auf einmal herangesprnngen,

Mit Knstagnetten und Zimbelklang,

In flittrigen Röckchen, die nicht zu lang;

Doch all ihr Tändeln und Kichern und Lachen,Es kann mich nur noch verdrießlicher machen!

Fort mit den Blumen! Ich kann nicht ertragenDie Düfte, die von alten TagenMir boshaft erzählt viel holde Schwänke —Ich weine, wenn ich ihrer gedenke

23.

Ich war, o Lamm, als Hirt bestellt,Zu hüten dich auf dieser Welt;Hab' dich mit meinem Brot geätzt,Mit Wasser aus dem Born geletzt.Wenn kalt der Wintersturm gelärmt,Hab' ich dich in der Brust erwärmt.Hier hielt ich fest dich angeschlossen;Wenn Regengüsse sich ergossen,Und Wolf und Waldbach um die WetteGeheult im dunkeln Felsenbette,