Romanccro — Letzte Gedichte.
Mitleidsvoll aus ihrer HöheSchaun sie oft auf uuser Wehe;Eine goldue Thräuc fälltDann herab auf diese Welt.
20,
Mein Tag war heiter, glücklich meine Nacht,Mir jauchzte stets mein Volk, wenn ich die LeierDer Dichtkunst schlug. Mein Lied war Lust und FeuerHat manche schöne Gluten augefacht.
Noch blüht mein Sommer, dennoch eingebrachtHab' ich die Ernte schon in meine Scheuer —
Und jetzt soll ich verlassen, was so teuer,
So lieb und teuer mir die Welt gemacht!
Der Hand entsinkt das Saitcnspicl. In ScherbenZerbricht das Glas, das ich so fröhlich ebenAn ineine übermüt'gcn Lippen preßte,
O Gott! wie häßlich bitter ist das Sterben!
O Gott! wie süß und traulich läßt sich lebenIn diesem traulich süßen Erdenneste!
21.
Ich seh' im Stundcnglase schonDen kargen Saud zerrinnen.
Mein Weib, du engelsüße Person!
Mich reißt der Tod von hinnen.
Es reißt mich aus deinem Arm, mein Weib,
Da Hilst kein Widerstehen,
Es reißt die Seele aus dem Leib —
Sie will vor Angst vergehen.
Er jagt sie aus dein alten Haus,
Wo sie so gerne bliebe,
Sie zittert und flattert — „ Wo soll ich hinaus?"Ihr ist wie dem Floh im Siebe.
Das kann ich nicht ändern, wie sehr ich mich sträub ,Wie sehr ich mich winde und wende;
Der Mann und das Weib, die Seel' und der Leib,Sie müssen sich trennen am Ende.