Letzte Gedichte.7.
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Du warst ein blondes JungfrLnlein, so artig,So niedlich und so kühl — vergebens harrt' ichDer Stunde, wo dein Herze sich erschlösse,lind sich daraus Begeisterung ergösse —
Begeisterung für jene hohen Dinge,
Die zwar Verstand und Prosa achten g'ringe,Für die jedoch die Edlen, Schönen, GutenAuf dieser Erde schwärmen, leiden, bluten.
Am Strand des Rheins, wo Rebenhügel ragen,Ergingen wir uns einst in Sommertagen.Die Sonne lachte; ans den liebevollenKelchen der Blumen Wohlgerüche quollen.
Die Pnrpurnelken und die Rosen sandtenUns rote Wisse, die wie Flammen brannten.Im kümmerlichsten Gänseblümchen schienEin ideales Leben aufzublühn.
Du aber gingest ruhig neben mir,
Im weißen AtlaSkleid, voll Zucht und Zier,Als wie ein Mädchenbild gemalt von Netscher;Ein Herzchen im Korsett wie'n kleiner Gletscher.
Vom Schöppenstuhle der VernunftBist du vollständig freigesprochen;Das Urteil sagt: „Die Kleine hatDurch Thun und Reden nichts verbrochen."
Ja, stumm und thatlos standest du,Als mich verzehrten tolle Flammen —Du schürtest nicht, du sprachst kein Wort,Und doch muß dich mein Herz verdammen.
In meinen Träumen jede NachtKlagt eine Stimme, die beziehtetDes bösen Willens dich und sagt,
Du habest mich zu Grund gerichtet.
Sie bringt Beweis und Zeugnis bei,Sie schleppt ein Bündel von Urkunden;Jedoch am Morgen, mit dem Traum,Ist auch die Klägerin verschwunden.
Hcine's Werle. III. Vd. Iii
8.