Romancero ~ Letzte Gedichte.
Nach Bisam und Maschus rächest du nicht,Am Halse hing nach keine Lorgnette,
Dn hattest nach keine Weste van SammetUnd keilte Frau und gvldne Kette.
Du trügest dich zu jener ZeitGanz nach der allerneusten ModeVan Schwäbisch-Hall — Und dennoch, damalsWar deines Lebens Glanzperiode.
Du hattest Haare auf dem Kopf,lind unter den Haaren, groß und edel,
Wuchsen Gedanken, aber jetzoIst kahl und leer dein armer Schädel.
Verschwunden ist auch der Lorbeerkranz,
Der dir bedecket! könnte die Glatze —
Wer hat dich so gerauft? Wahrhaftig,
Siehst anS wie eine geschorene Katze!
Die goldnen Dukaten des SchwicgerpapaS,Des Scidenhändlers, sind auch zerronnen —Der Alte klagt: bei der deutschen DichtkunstHabe er keine Seide gesponnen.
Ist das der Lebendige*), der die WeltMit all' ihren Knödeln, Dampfnudeln und WürstenVerschlingen wollte, und in den HadesBerwicS den Pückler-Muskau, den Fürsten?
Ist das der irrende Ritter, der einst,
Wie jener andre, der Manchaner,
Absagebriefe schrieb an Tyrannen,
Im Stiele der kecksten Tertianer?
Ist das der GeneralissimusDer deutschen Freiheit, der GonfalonicreDer Emancipation, der hoch zu RosseEinher ritt vor seinem Frcischarenhcere?
Der Schimmel, den er ritt, war weiß,
Wie alle Schimmel, worauf die GötterUnd Helden geritten, die langst verschimmelt:Begeistrnng jauchzte dem Vaterlandsretter.
Es war ein reitender Virtuos,
Ein Liszt zu Pferde, ein somnambülerMarktschreier, Hansnarr, Philistergnnstling,Ein miserabler Heldenspieler!
Gedichte eines Lebendigen. IStN.