letzte Erdichte.
An Eduard G.
D» hast nun Titel, Ämter, Würden, Orden,Hast Wappenschild mit panaschiertem Helm,Du bist vielleicht auch Exccllcnz geworden —Für mich jedoch bist du ein armer Schelm.
Mir imponieret nicht der Scclcnadel,
Den die dir anempfunden sehr geschickt,
Obgleich er glänzt wie eine Demantnadcl,Die des Philisters weißes Brnsthemd schmückt.
O Gott! ich weiß, in deiner goldbetreßtenHofnniform, gar kümmerlich, steckt nurEin nackter Mensch, behaftet mit Gebresten,Ein seufzend Ding, die arme Kreatur.
Ich weiß, bedürftig, wie die andern alle,
Bist du der Atnmg, k — st auch jedenfallsWie sie — deshalb mit dem GcmeinplaüschwalleVon Hochgefühlen bleibe mir vom Hals?
Simplicissimus I.*)
Der eine kann das Unglück nicht,Der andre nicht das Glück verdauen.
Durch Männerhaß verdirbt der eine,Der andre durch die Gunst der Frauen.
Als ich dich sah zum erstenmal,
War fremd dir alles galante Gehvfcl;Es deckten die plebejischen HändeNoch nicht Glacehandschuhe von Nchfcll.
Das Rvcklein, das du trügest, war grünUnd zählte schon sehr viele Lenze;
Die Ärmel zu kurz, zu lang die Schöße,Erinnernd an Bachstclzenschwänze.
Du trügest ein Halstuch, das der MamaAlS Serviette gedienet hatte;
Noch wiegte sich nicht dein Kinn so vornehmIn einer gestickten AtlaSkrawatte.
Die Stiefel sahen so ehrlich aus,
Als habe HanS Sachs sie fabrizieret;
Noch nicht mit gleißend französischein Firnis,Sie waren mit deutschem Thran geschmieret.
'1 Georg Herwegh.