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2 (1900) Zeitgedichte [u.a.] Neue Gedichte
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212
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212 Romancero — Letzte Gedichte

„Mit Recht sprach auch der deutsche PoetZum Rotbart im Kyffhäuser:

„„Betracht' ich die Sache ganz genau,So brauchen wir gar keinen Kaiser!""

„Doch wollt ihr durchaus ein Kaisertum,Wollt ihr einen Kaiser küren,

Ihr lieben Deutschen! laßt euch nichtBon Geist und Ruhm verführen.

„Erwählet kein Patrizierkiud,

Erwählet einen vom Plcbse,

Erwählt nicht den Fnchs und nicht den Leu,Erwählt den dümmsten der Schöpse.

„Erwählt den Sohn KoloniaS,Den dummen Kobcs von Köllen;

Der ist in der Dummheit fast ein Genie,Er wird sein Volk nicht prellen.

„Ein Klotz ist immer der beste Monarch,Das. zeigt Äsop in der Fabel;

Er frißt nns arme Frösche nicht,

Wie der Storch mit dem langen Schnabel.

„Seid sicher, der Kvbes wird kein Tyrann,Kein Nero, kein Hvlofernes;

Er hat kein gransam antikes Herz,

Er hat ein weiches, modernes.

„Der Krämerstolz verschmähte dies Herz,Doch an die Brust des HelotenDer Werkstatt warf der gekränkte sichUnd ward die Blume der Knoten.

„Die Brüder der HandwerksburschcnschaftErwählten zum Sprecher den Kobes;

Er teilte mit ihnen ihr letztes Stück Brot,Sie waren voll seines LobeS.

„Sie rühmten, daß er nie studiertAuf Universitäten,

Und Bücher schrieb aus sich selbst heraus,Ganz ohne Fakultäten.

„Ja, seine ganze IgnoranzHat er sich selbst erworben;

Nicht fremde Bildung und WissenschaftHat je sein Gemüt verdorben.