Letzte Gedichte. 21 l
Dort sah ich sie selbst um jeue ZeitDurchwände!» die nächtliche StilleDer öden Gemächer, wo aufgehäuftDes Mittelalters Geriille.
Die Lampe und ein SchlüsselbundHielt sie in den bleichen Händen;
Sie schloß die großen Truhen aufUnd die Schränke an den Wänden.
Da liegen die Kaiser-Jnsignia,
Da liegt die gvldne Bnlle,
Der Zepter, die Krone, der Apfel des ReichsUnd manche ähnliche Schrulle.
Da liegt das alte Kaiser-Ornat,
Verblichen purpurner Plnndcr,
Die Garderobe des Deutschen Reichs,
Verrostet, vermodert jetznnder.
Die Schasfnerin schüttelt wehmütig das HauplBei diesem Anblick, doch PlötzlichMit Widerwillen ruft sie auS:
„Das alles stinkt entsetzlich!
„Das alles stinkt nach Mäusedreck,
Das ist verfault und verschimmelt,
Und in dem stolzen LumpenkramDas Ungeziefer wimmelt.
„Wahrhaftig, auf diesem Hermelin,Dem Kröunngsmantel, dem alten,
Haben die Katzen des RömerquartiersIhr Wochenbett gehalten.
„Da hilft kein Ausklopfen! Daß Gott sich erbarm'Des künstigen Kaisers! Mit FlöhenWird ihn der Kröunngsmantel gewißAuf Lebenszeit versehen.
„Und wisset, wenn es den Kaiser juckt,
So müssen die Völker sich kratzen —
O Deutsche! ich fürchte, die fürstlichen Flöh',Die kosten euch manchen Batzen.
„Jedoch wozu noch Kaiser und Flöh'?
Verrostet ist und vermodertDas alte Kostüm — Die neue ZeitAuch neue Nocke sordert.
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