206 Romanccro — Letzte Gedichte.
Da steh' ich nun mit leeren Taschen!War Lauras Kuß gleichfalls nur Lug?Ach! was ist Wahrheit? Also frugPilat und thcit' die Händ sich waschen.
Die böse Welt, die so verdorben,
Verlast' ich bald, die böse Welt.
Ich merke: hat der Mensch kein Geld,
So ist der Mensch schon halb gestorben.
Nach euch, ihr ehrlich reinen Seelen,
Die ihr bewohnt das Reich des Lichts,
Sehnt sich mein Herz. Dort braucht ihr nichts,Und braucht deshalb auch nicht zu stehlen.
Hans ohne Land.*)
„Leb wohl, mein Weib," sprach Hans ohne Land,„Mich rufen hohe Zwecke:
Ein andres Weidwcrk harret mein,
Ich schieße jetzt andre Böcke.
„Ich last' dir mein Jagdhorn zurück, du kannstMit Tuten, wenn ich entfernet,
Die Zeit vertreiben; du hast ja zu HausDas Posthorn blasen gelernet.
„Ich last' dir auch meinen Hund zurück,
Daß er die Burg behüte;
Mich selbst bewache mein deutsches VolkMit pudeltreuem Gcmüte.
„Sie bieten mir an die Kaiserkron',
Die Liebe ist kaum zu begreifen;
Sie tragen mein Bild in ihrer BrustUnd auf den Tabakspfeifen.
„Ihr Deutschen seid ein großes Volk,
So simpel und doch so begäbet!
Man sieht euch wahrhastig nicht an, daß ihrDas Pulver erfunden habet.
„Nicht Kaiser, Vater will ich euch sein,
Ich werde euch glücklich macheu —
O schöner Gedanke! er macht mich so stolz,
Als war' ich die Mutter der Gracchen.
Erzherzog Johann, 1848 Rcichzverweser der Centralgewalt.