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2 (1900) Zeitgedichte [u.a.] Neue Gedichte
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198
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Nomancero — Letzte Gedichte.

Die Wnndcrrllttcn.

Es giebt zwei Sorten Ratten:

Die hungrigen nnd satten.

Die satten bleiben vergnügt zn Haus,Die hungrigen aber wandern ans.

Sie wandern viel Tausend Meilen,

Ganz ohne Rasten und Weilen,

Gradaus in ihrem grimmigen Lauf,

Nicht Wind noch Wetter hält sie auf.

Sie klimmen wohl über die Höhen,Sie schwimmen wohl durch die Seen;Gar manche ersäuft oder bricht das GenickDie lebenden lassen die toten zurück.

Es haben diese KäuzeGar fürchterliche Schnäuze;

Sie tragen die Köpfe geschoren egal,

Ganz radikal, ganz rattenkahl.

Die radikale RotteWeist nichts von einem Gotte.

Sie lassen nicht taufen ihre Brut,

Die Weiber sind Gemeindegut.

Der sinnliche Rattenhaufen,

Er will nur fressen und saufen,

Er denkt nicht, während er säuft und fristt,Dah uusre Seele unsterblich ist.

So eine wilde Ratze,

Die fürchtet nicht Hölle, nicht Katze;

Sie hat kein Gut, sie hat kein GeldUnd wünscht aufs neue zu teilen die Welt.

Die Wanderratten, o wehe!

Sie sind schon in der Nähe.

Sie rücken heran, ich höre schonIhr Pfeifen, die Zahl ist Legion.

O wehe! wir sind verloren,

Sie sind schon vor den Thoren!Der Bürgermeister und Senat,

Sie schütteln die Köpfe, und keiner weist Rat,

Die Bürgerschaft greift zu den Waffen,Die Glocken läuten die Pfaffen.

Gefährdet ist das PalladiumDes sittlichen Staats, daS Eigentum.