Nomancero — Letzte Gedichte.
Für bares Geld in die Presse schmuggelt —Das lügt und kriecht und katzenbuckclt,bind hat dabei die Mclancholik.Das Publikum glaubt oft der Lüge,Aus Mitleid: es sind so leidend die ZügeDer Heuchler und ihr Dulderblick —Was willst du thuu iu solchen Nöten?Du mußt die Verleumdung ruhig ertragen,Du darfst nicht reden, du darfst nicht klagen:Willst du das schnöde Geschmeiß zertreten,Vcrstänkert es dir die Luft, die süße,Und schmutzig würden deine Füße,
Das beste ist schweigen — Ein andermalErklär' ich euch der Fabel Moral.
König Langohr I.
Bei der Königswahl, wie sich versteht,Hatten die Esel die Majorität.
Und es wurde ein Esel zum König gewählt.Doch hört, was jetzt die Chronik erzählt:
Der gekrönte Esel bildete sichJetzt ein, daß er einem Löwen glich;
Er hing sich um eine Löwenhaut,
Und brüllte wie ein Löwe so laut.
Er Pflegte Umgang nur mit Rossen —Das hat die alten Esel verdrossen.
Bulldoggen und Wölfe waren sein Heer,
Drob murrten die Esel noch viel mehr.
Doch als er den Ochsen zum Kanzler erhoben,Vor Wut die Esel rasten und schnoben.Sie drohten sogar mit Revolution!
Der König erfuhr es, und stülpte die Krön'Sich schnell aufs Haupt und wickelte schnellSich in ein mutiges Löwenfell.
Dann ließ er vor seines Thrones StufenDie malkontenten Esel rufen,
Und hat die folgende Rede gehalten:
„Hochmögende Esel, ihr jungen und alten!Ihr glaubt, daß ich ein Esel seiWie ihr, ihr irrt euch, ich bin ein Leu;DaS sagt mir jeder an meinem Hofe,
Von der Edeldame bis zur Zofe.