Letzte Gedichte. Igg
Dcr Wiuizcrich.
1.
Es saß ein brauner WanzerichAns einem Pfennig und spreizte sich,
Wie ein Rentier, und spracht „Wer Geld hat,
Auch Ehr' und Ansehn in der Welt hat,
Wer Geld hat, ist auch lieblich und schön —
Es kann kein Weib ihm widerstehn;
Die Weiber erbleichen schon und zittern,
Sobald sie meinen Odem wittern.
Ich habe manche SommernachtIm Bett der Königin zugebracht;
Sie wälzte sich ans ihren Matratzen,
Und mußte sich beständig kratzen."
Ein lustiger Zeisig, welcher gehörtDie prahlenden Worte, war drob empört;
Im heiteren Unmut sein Schnäbclein schliff er,
Und auf das Insekt ein Spottlied pfiff er.
Gemein und schmutzig, der Wanzerich,
Wie Wanzen Pflegen, rächte er sich:
Er sagte, daß ihm der Zeisig grollte,
Weil er kein Geld ihm borgen wollte.
Und die Moral? Der FabulistVerschweigt sie heute mit klugem Zagen,Denn mächtig verbündet in unseren TagenDas reiche Ungeziefer ist.
Es sitzt mit dem Geldsack unter dem A—,Und trommelt siegreich den Dessaner Marsch.
2.
Das Ungeziefer jenes Lands,
Es bildet eine heil'ge Allianz;
Zumal die musikalischen Wanzen,Die Komponisten von schlechten Romanzen,(Welche, wie Schlesingers Uhr, nicht gehn,).Allüberall in Bündnis stehn.
Da ist der Mozart der Krätze in Wien,Die Perle ästhetischer Pfänderleiher,Der intrigniert mit dem Lorbeer-Meher,Dem großen Maestro in Berlin.
Da werden Artikclchen ausgeheckt,
Die eine Blattlaus, ein Miten-Jnsckt,
H-ine's Werke. III. Bd. 13