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Nomancero — Letzte Gedichte.
Aus der Zopfzeit.
F-iv-l.
Zu Kassel waren zwei Ratten,
Die nichts zu essen hatten.
Sie sahen sich lange hungrig an;
Die eine Ratte zu wispern begann:
„Ich weiß einen Topf mit Hirsebrei,
Doch leider steht eine Schildwach' dabei;
„Sie trägt kurfürstliche Uniform,
Und hat einen Zopf, der ist enorm;
„Die Flinte ist geladen mit Schrot,
Und wer sich naht, den schießt sie tot."
Die andere Ratte knistertMit ihren Zähuchen und wispert:
„Des Kurfürsten Durchlaucht sind gescheit,Er liebt die gute alte Zeit,
„Die Zeit der alten Katten,
Die lange Zöpfe hatten.
„Durch ihre Zöpfe die KattenWetteiferten mit den Ratten.
„Der Zopf ist aber das Sinnbild nurDes Schwanzes, den uns Verlich die Natur;
„Wir auserwählten Geschöpfe,
Wir haben natürliche Zöpfe.
„O Kurfürst, liebst du die Katten,
So liebst du auch die Ratten;
„Gewiß für uns dein Herze klopft,
Da wir schon von der Natur bezopft.
„O gicb, du edler Philozopf,
O gieb uns frei den Hirsetopf,
„O gieb uns frei den Topf mit Brei,Und löse ab die Schildwach' dabei!
„Für solche Huld, für solchen Brei,Wir wollen dir dienen mit Lieb und Treu'.
Und stirbst du einst, ans deinem GrabWir schneiden uns traurig die Schwänze ab,
„Und flechten sie um dein Haupt als Kranz;Dein Lorbeer sei ein Nattenschwanz!"