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2 (1900) Zeitgedichte [u.a.] Neue Gedichte
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191
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Letzte Gedichte. 131

„Sie spielten nicht mit Galantere!

Frivole Lasterspiele,

Sie trabten täglich, frisch-fromm-fröhlich-srei,

Mit ihren Säcken zur Mühle,

„Die Väter sind nicht tot! Im GrabNur ihre Häute liegen,

Die sterblichen Hüllen. Vom Himmel herabSchann sie auf uns mit Vergnügen.

„Verklärte Esel im Gloria-Licht!

Wir wollen euch innner gleichet:

Und niemals von dem Pfad der PflichtNur einen Fingerbreit weichen.

„O welche Wonne, ein Esel zu sein!

Ein Enkel von solchen Langohren!

Ich möcht' es von allen Dächern schrein:

Ich bin als ein Esel geboren!

„Der große Esel, der mich erzeugt,

Er war von deutschem Stamme;

Mit deutscher Eselsmilch gesäugtHat mich die Mutter, die Mamme.

„Ich bin ein Esel, und will getreu,

Wie meine Väter, die Alten,

An der alten, lieben Eselei,

Am Eseltume halten.

„Und weil ich ein Esel, so rat' ich euch,

Den Esel zum König zu wählen;

Wir stiften das große Eselreich,

Wo nur die Esel befehlen.

„Wir alle sind Esel! J-A! J-AlWir sind keine Pferdeknechte.

Fort mit den Rossen! Es lebe, Hurra IDer König vom Eselsgeschlechte!"

So sprach der Patriot. Im SaalDie Esel Beifall rufen.

Sie waren alle national,

Und stampften mit den Hufen.

Sie haben des Redners Haupt geschmücktMit einem Eichcnkranze.

Er dankte stumm, und hochbeglücktWedelt' er mit dem Schwänze.