Romancero — Letzte Gedichte.
Die Wahlcscl.
Die Freiheit hat man satt am End',
Und die Republik der TiereBegehrte, daß ein einz'ger RegentSie absolut regiere.
Jedwede Tiergattung versammelte sich,Wahlzettel wurden geschrieben;
Parteisucht wütete fürchterlich,
Jntriguen wurden getrieben.
Das Kvmitce der Esel wardVvn Alt-Langohren regieret!
Sie hatten die Köpfe mit einer Kokard',Die schwarz-rot-gold, verzieret.
Es gab eine kleine Pferdcpartei,
Doch wagte sie nicht zn stimmen;
Sie hatte Angst vor dem GeschreiDer Alt-Langohren, der grimmen.
Als einer jedoch die KandidaturDes Rosses empfahl, mit ZeterEin Alt-Langohr in die Rede ihm fuhr,Und schrie: „Du bist ein Verräter!
„Du bist ein Verräter, es fließt in dirKein Tropfen vom Eselsblute;
Du bist kein Esel, ich glaube schier,
Dich warf eine welsche Stute.
„Du stammst vom Zebra vielleicht, die HautSie ist gestreift zebräisch;
Auch deiner Stimme näselnder LautKlingt ziemlich ttghptisch-hebräisch.
„Und wärst du kein Fremdling, so bist du dochVerstandesesel, ein kalter;
Du kennst nicht die Tiefen der Eselsnatur,Dir klingt nicht ihr mystischer Psalter.
„Ich aber versenkte die Seele ganzIn jenes süße Gedösel!
Ich bin ein Esel, in meinem SchwanzIst jedes Haar ein Esel.
„Ich bin kein Römling, ich bin kein Clav';Ein deutscher Esel bin ich,
Gleich meinen Vätern. Sie waren so brav,So pflanzenwüchsig, so sinnig.