Druckschrift 
2 (1900) Zeitgedichte [u.a.] Neue Gedichte
Entstehung
Seite
189
Einzelbild herunterladen
 

Letzte Gedichte.

Also spricht sie. Aus dem BusenWilde Brantgesttngc quellen,

Und der Wohllaut lockt herbeiAlle Katerjnnggcscllen.

Alle Katerjunggesellcn,

Schnurrend, knurrend alle kommen,Mit Mimi zu musizieren,

Liebelechzend, lustentglommen.

Das sind keine Virtuosen,Die entweiht jemals für LohngunstDie Musik, sie blieben stetSDie Apostel heil'ger Tonkunst.

Brauchen keine Instrumente,

Sie sind selber Bratsch' und Flöte;Eine Pauke ist ihr Bauch,

Ihre Nasen sind Trompeten.

Sie erheben ihre StimmenZum Konzert gemeinsam jetzo;Das sind Fugen wie von BachOder Guido von Arezzo.

Das sind tolle Symphonien,Wie Capricen von BeethovenOder Bcrlioz, der wirdSchnurrend, knurrend übertroffen.

Wunderbare Macht der Töne!Zanberklänge sondergleichen!Sie erschüttern selbst den Himmel,Und die Sterne dort erbleichen.

Wenn sie hört die Zauberklänge,Wem: sie hört die Wundertöne,So verhüllt ihr AngesichtMit dem Wolkenflor Selene.

Nur das Lästermaul, die altePrima-Donna Philomele,

Rümpft die Nase, schnupft und schmähtMinus Singen — kalte Seele!

Doch gleichviel! Das musizieret,Trotz dem Neide der Signvra,

Bis am Horizont erscheintRosig lächelnd Fee Aurora.