Nomancero — Letzte Gedichte.
Dir Libelle.
(Andere Bcarbcitmist.)
Es ist die Libelle, die blaue,
Im Käferland die schönste Persvn.Die Schmetterlinge sind mit PassionVerliebt in die schöne Fraue.
Sie ist so fein von Hüften,
Sie trägt ein Flngelkleid von Gaze;
In jeder Bewegung Ebenmaß,
Gaukelt sie keck in den Lüften.
Die bunten Buhlen fliegenIhr nach, und mancher junge FantSchwört laut: „Ich geb' dir Holland und Brabant,Willst du meiner Brunst dich fügen."
Da spricht die falsche Libelle:
„Holland und Brabant, die brauch' ich nicht;Ich brauche nur ein Fünkchen Licht,
Damit ich mein Stübchen erhelle."
Kaum hören sie diese Töne,lind die Verliebten flattern wetteifernd fort;Sie suchen geschäftig von Ort zu OrtEin Fünkchen Licht für die Schöne.
Sieht einer eine Kerze,
So stürzt er drauf zu, wie blind und bcthört;lind die Flamme den armen Käfer verzehrt,Ihn und sein liebendes Herze.
Die Fabel ist japanisch;
Doch auch in Deutschland, liebes Kind,
Giebt es Libellen, und sie sindGar sehr Perfid und satanisch.
Mimi.
„Bin kein sittsam Bürgerkätzchen,Nicht im frommen Stübchen spinn' ich.Auf dein Dach, in freier Luft,
Eine freie Katze bin ich.
„Wenn ich svmmcrnächtlich schwärme.Auf dem Dache, in der Kühle,
Schnurrt und knurrt in mir Musik,Und ich singe, was ich fühle."