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2 (1900) Zeitgedichte [u.a.] Neue Gedichte
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187
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Letzte Gedichte. 13

Sic scheu Kerzenlicht, ich glaubeIn einer erleuchteten Gartenlaube;lind die Verliebten, mit blindem MutStürzten sie sich in die Kerzcnglut,

Knisternd verzehrten die Flammen der KerzenDie Käfer und ihre liebenden Herzen;

Die einen büßten das Leben ein,

Die andern nur die Flügelein.

O wehe dem Käfer, welchem verbranntDie Flügel sind! Im fremden LandMuß er lvie ein Wurm am Bvden kriechen,Mit feuchten Insekten, die häßlich riechen.

„Die schlechte Gesellschaft," hört man ihn klagen,„Ist im Exil die schlimmste der Plagen.

Wir müssen Verkehren mit einer ScharVvn Ungeziefer, von Wanzen sogar,

„Die uns behandeln als Kameraden,

Weil wir im selben Schmutze waten —

Drob klagte schon der Schüler Virgils,

Der Dichter der Hölle und des Exils.

„Ich denke mit Gram an die bessere Zeit,

Wo ich mit beflügelter HerrlichkeitIm Heimat-Nther gegaukelt,

Auf Sonnenblumen geschaukelt,

„Aus Roscnkclchen Nahrung sogUnd vornehm war, und Umgang pflogMit Schmetterlingen von adligem Sinn,

Und mit der Cikade, der Künstlerin —

„Jetzt sind meine armen Flügel verbrannt!Ich kann nicht zurück ins Vaterland,

Ich bin ein Wurm, und ich verreckeUnd ich verfaule im fremden Drecke.

„O, daß ich nie gesehen hätt'

Die Wasserfliege, die blaue Kokett'

Mit ihrer feinen Taille —

Die schöne falsche Canaille!"