Letzte Gedichte.
Um anzuprobieren die roten Schuhe —
Sie war ein Bild von Unschuld und Nnhc —
Da packt sie plötzlich die böse Katze
Und würgt sie mit der grimmigen Tatze
Und beißt ihr ab das arme Köpfchen,
Und spricht: „Mein liebeS, weißes Gcschöpfchen,
Mein Mäuschen, du bist mausetot!
Jedoch die Pantöffclchcn scharlachrot,
Die will ich stellen ans deine Gruft;
Und wenn die Weltpvsanne ruft
Zum jüngsten Tanz, v weiße MauS,
Aus deinem Grab steigst du heraus,
Ganz wie die andern, und sodann
Ziehst du die roten Pantöffelchen au."
Moral.
Ihr weißen Mäuschen, nehmt euch in acht.Laßt euch nicht ködern von weltlicher Pracht!Ich rat' euch, lieber barfuß zu laufen,
Als bei der Katze Pantoffeln zu kaufen.
Lcib und Scclc.
Die arme Seele spricht zum Leibe:„Ich lass' nicht ab von dir, ich bleibeBei dir — ich will mit dir versinkenIn Tod und Nacht, Vernichtung trinken!Du warst ja stets mein zweites Ich,Das liebevoll umschlungen mich,
Als wie ein Festkleid von Satin,
Gefüttert weich mit Hermelin —
Weh mir! jetzt soll ich gleichsam nackt,Ganz ohne Körper, ganz abstrakt,Hinluugcru als ein sel'gcs NichtsDort oben in dem Ncich deS Lichts,In jenen kalten Himmclshallen,Wo schweigend die Ewigkeiten wallenUnd mich angähnen — sie klappern dabeiLangweilig mit ihren Pantoffeln von Blei.O, das ist grauenhaft; o bleib,
Bleib bei mir, du geliebter Lcib!"
Der Leib zur armen Seele spricht:„O tröste dich und gräm' dich nicht!