Letzte Gedichte. 188
„Des Menschen Herz ist hart wie Stein.
Der Mensch gicbt keinen BissenUmsonst. Man jagt nns aus dem Stall.
Wir werden verhungern müssen.
„Wir können nicht borgen und stehlen nicht.
Wie jene Menschenkinder.
Auch schmeicheln nicht, wie der Mensch und der Hund —Wir sind versallen dem Schinder."
So klagte das Roß. und seufzte tief.
Der Langohr unterdessenHat mit der gemütlichsten Scelenrnh'
Zwei Distelköpfe gefressen.
Er leckte die Schnauze niit der Znng'.
Und gemütlich begann er zu sprechen:
„Ich will nur wegen der Zukunft nichtSchon heute den Kopf zerbrechen.
„Ihr stolzen Rosse seid freilich bedrohtVon einem schrecklichen Morgen.
Für nns bescheidne Esel jedochIst keine Gefahr zu besorgen.
„So Schimmel wie Rappen, so Schecken wie Fuchs.Ihr seid am Ende entbehrlich:
Uns Esel jedoch ersetzt Hans DampfMit seinem Schornstein schwerlich.
„Wie klug auch die Maschinen sind,
Welche die Menschen schmieden.
Dem Esel bleibt zn jeder ZeitSein sicheres Dasein bcschicdcn.
„Der Himmel verläßt seine Esel nicht,
Die ruhig im Pflichtgefühle,
Wie ihre frommen Väter gethan,
Tagtäglich traben zur Mühle.
„Das Mühlrad klappert, der Müller mahlt,Und schüttet das Mehl in die Säcke;
Das trag' ich zum Bäcker, der Bäcker backt,
Und der Mensch frißt Brötc und Wecke.
„In diesem uralten NaturkreislaufWird ewig die Welt sich drehen,
Und ewig unwandelbar, wie die Natur,
Wird auch der Esel bestehen."