Letzte Gedichte. 179
Lieblich ward ihm eiugeschenketDer Champagner, perleuschttumend;
Dach er saß, das Haupt gesenket,
Melancholisch ernst und träumend.
Manchmal ließ er in den BecherEine stille Thränc fließen,
Während ringS umher die ZecherIhre Lust erschallen ließen.
Nun geh schlafen! Biel freudsamerWachst du auf in Himmelssälen,
Und kein Wcltrausch-KatzenjammerWird dich dort wie andre quälen.
Die Launen der Verliebten.*)
<Einc wahre Geschichte, nach älteren Dokumenten wiedererzählt und aufs neue inschöne deutsche Reime gebracht.)
Der Käfer saß auf dem Zaun betrübt;
Er hat sich in eine Fliege verliebt.
„Du bist, o Fliege meiner Seele,
Die Gattin, die ich auscrwähle.
„Heirate mich und sei mir hold!
Ich Hab' einen Bauch von eitel Gold.
„Mein Rücken ist eine wahre Pracht;
Da flammt der Rubin, da glänzt der Smaragd."
,,„O daß ich eine Närrin wär'!
Ein'it Käfer nehm' ich nimmermehr.
„„Mich lockt nicht Gold, Rubin und Smaragd:Ich weiß, daß Reichtum nicht glücklich macht.
„„Nach Idealen schwärmt mein Sinn,
Weil ich eine stolze Fliege bin ""
Der Käfer flog fort mit großem Grämen;
Die Fliege ging ein Bad zu nehmen.
„„Wo ist denn meine Magd, die Biene,
Daß sie beim Waschen mich bediene;
„„Daß sie mir streichle die feine Haut,
Denn ich bin eines Käfers Braut.
*1 Die hier solgeudcn Gedichte sind Bruchstücke des von Heine als Paten-geschenl sür den Sohn seines Verlegers bestimmten Fabelbuchs.
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