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2 (1900) Zeitgedichte [u.a.] Neue Gedichte
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171
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Letzte Gedichte.

Das Sklavenschiff.

I.

Der Superkargo Mynhcer van KockSctzt rechnend in seiner Kajüte;

Er kalkuliert der Ladung BetragUnd die probabeln Profite.

„Der Gummi ist gut, der Pfeffer ist gut,Dreihundert Sacke und Fässer;

Ich habe Goldstaub und Elfenbein —

Die schwarze Ware ist besser.

„Sechshundert Neger tauschte ich einSpvttwvhlfeil am Sencgalflusse.

Das Fleisch ist hart, die Sehnen sind stramm,Wie Eisen vom besten Gusse.

„Ich Hab' zum Tausche Branntewein,

Glasperlen und Stahlzeug gegeben;

Gewinne daran achthundert Prozent,

Bleibt mir die Hälfte am Leben.

„Bleiben mir Neger dreihundert nurIm Hafen von Rio-Janeiro,

Zahl dort mir hundert Dukaten per StückDas Haus Gonzales Perreiro."

Da plötzlich wird Mynheer van KockAus seinen Gedanken gerissen;

Der SchiffAchirurgus tritt herein,

Der Doktor van der Smissen.

DaS ist eine klapperdürre Figur,

Diese Nase voll roter Warzen —„Run, Wasserfeldscherer," ruft van Kock,

„Wie geht's meinen lieben Schwarzen?"

Der Doktor dankt der Nachfrage und spricht:„Ich bin zu melden gekommen,

Daß heute nacht die SterblichkeitBedeutend zugenommen.

„Im Durchschnitt starben täglich zwei,

Doch heute starben sieben,

Bier Männer, drei Frauen — Ich Hab' den VerlustSogleich in die Kladde geschrieben.