Letzte Gedichte.
Hier bist du sicher vor Musik,Vor des Piauofortes Folter,
Und vor der großen Oper PrachtUnd schrecklichem Bravourgepolter.
Hier wirst du nicht verfolgt, geplagtVom eitlen BirinosenpackeUnd vom Genie GiacomosUnd seiner Weltberiihmtheitsklacke.
O Grab, du bist das ParadiesFür pöbelscheue, zarte Ohren —Der Tod ist gut, doch besser wär's,Die Mutter Hütt' unS nie geboren.
Im Mai.
Die Freunde, die ich geküßt und geliebt,Die haben daS schlimmste an mir verübt.
Mein Herze bricht; doch droben die SonneLachend begrüßt sie den Monat der Wonne.
Es blüht der Lenz. Im grünen WaldDer lustige Vogelgesang erschallt,lind Mädchen und Blumen, sie lächeln jungfräulichO schone Welt, du bist abscheulich!
Da lob' ich mir den Orkus fast;
Dort kränkt uns nirgends ein schnöder Kontrast;Für leidende Herzen ist es viel besserDort unten am stygischen Nachtgewässer.
Sein melancholisches Geräusch,
Der Stymphaliden ödes Gekreisch,
Der Furien Singsang, so schrill und grell,Dazwischen deS Cerberus Gebell —
Das paßt verdrießlich zu Unglück und Qual —Im Schattenreich, dem traurigen Thal,In Proscrpincns verdammten Domänen,
Ist alles in Einklang mit unseren Thräneu.
Hier oben aber — wie gransamlichSonne und Rosen stechen sie mich!
Mich höhnt der Himmel, der bläulich und mailichO schöne Welt, du bist abscheulich!