168 Romancero — Letzte Gedichte.
Während ihn uinranscht beständigDie geheimnisvolle Meerflut,
Deren Schoß entstiegen weilandDonna Venus Aphrodite. —
In den folgenden TrochäenWerden wir getreu berichten,
Wie der Ritter viel Strapazen,Ungemach und Drangsal ausstand ---
Ach, anstatt von altem SiechtumZu genesen, ward der ärmsteHeimgesucht von vielen neuenLeibesübeln und Gebresten.
Während er die Jugend suchte,Ward er täglich noch viel älter,Und verrunzelt, abgemcrgeltKam er endlich in das Land.
In das stille Land, wo schaurigUnter schattigen CypressenFließt ein Flüßlcin, dessen WasserGleichfalls wunderthätig heilsam —
Lethe heißt das gute Wasser!
Trink daraus, und du vergißtAll dein Leiden — ja, vergessenWirst du, was du je gelitten —
Gutes Wasser! gutes Land!Wer dort angelangt, verläßt esNimmermehr — denn dieses LandIst das wahre Bimini.
Ruhclechzcnd.
Laß bluten deine Wunden, laßDie Thränen fließen unaufhaltsam —Geheime Wollust schwelgt im Schmerz,Und Weinen ist ein süßer Balsam.
Verwundet dich nicht fremde Hand,So mußt du selber dich verletzen;
Auch danke hübsch dein lieben Gott,
Wenn Zähren deine Wangen netzen.
Des Tages Lärm verhallt, es steigtDie Nacht herab mit laugen Floren.In ihrem Schöße wird kein Schelm,
Kein Tölpcl deine Ruhe stören.