152 Nomancero — Letzte Gedichte.
Wie gepeitscht vvn Fencrbrttndcu,Flammcnruten, in der MenschenAdern ras'te jetzt das Blut,
Lechzend nach Genuß und Gold —
Doch das Gold allein blieb Losung,Denn durch Gold, den gelben Kuppler,Kann sich jeder leicht verschaffenAlle irdischen Genüsse.
Gold war jetzt das erste Wort,Das der Spanier sprach beim EintrittIn des Indianers Hütte —
Erst nachher frug er nach Wasser.
Mexiko und Peru sahenDieses Golddursts Orgia,
Cortez und Pizarro wälztenGoldbcsoffen sich im Golde.
Bei dem Tempclsturm Vvn QuitoLopez Vacca stahl die Sonne,
Die zwölf Ccntner Goldes wog:
Dvch dieselbe Nacht verlor er
Sie im Würfelspiele wieder,
Und im Volke blieb das Sprichwort:„DaS ist Lopez, der die SonneHat verspielt vor Sonnenaufgang."
Hei! Das waren große Spieler,Große Diebe, Meuchelmörder,
(Ganz vollkommen ist kein Mensch.)Doch sie thaten Wunderthaten,
überflügelnd die ProuesscnFurchtbarlichster Soldateske,
Bon dem großen HolofernesBis auf Haynau und Radetzki.
In der Zeit des WunderglaubensThaten auch die Menschen Wunder;Wer Unmögliches geglaubt,
Könnt' Unmögliches verrichten.
Nur der Thor war damals Zweifler,Die verständ'gen Leute glaubten;Bor den Tageswundern beugteGläubig tief sein Haupt der Weise.