Druckschrift 
2 (1900) Zeitgedichte [u.a.] Neue Gedichte
Entstehung
Seite
132
Einzelbild herunterladen
 

132 Romanccro — Letzte Gedichte.

Zu Berlin vor vielen JahrenWandt' ich mich deshalb an unscrnFreund Chamisso, suchte AuskunftBeim Dekane der Schlcmihle.

Doch er könnt' mich nicht befried'gcnUnd verwies mich drob an Hitzig,Der ihm den FamiliennamenSeines schattenlosen Peters

Einst verraten. Alsbald nahm ichEine Droschke und ich rollteZu dein Kriminalrat Hitzig,

Welcher chmals Jtzig hieß —

Als er noch ein Jtzig war,

Träumte ihm, er sah' geschriebenAn dem Himmel seinen NamenUnd davor den Buchstab H.

„Was bedeutet dieses H?"

Frug er sich — „etwa Herr JtzigOder Heil'ger Jtzig? Heil'gerIst ein schöner Titel — aber

„In Berlin nicht passend" — EndlichGriibclnsmüd nannt' er sich Hitzig,Und nur die Getreuen wußtenIn dem Hitzig steckt ein Heil'ger.

Heil'ger Hitzig! sprach ich alsv,

Als ich zu ihm kam, Sie sollenMir die EtymologieVon dem Wort Schlemihl erklären.

Viel Umschweife nahm der Heil'gc,Konnte sich nicht recht erinnern,

Eine Ausflucht nach der andern,

Immer christlich — Bis mir endlich,

Endlich alle Knöpfe rissenAn der Hose der Geduld,

Und ich anfing so zu fluchen,So gottlästerlich zu fluchen,

Daß der fromme Pietist,

Leichenblaß und beineschlotternd,Unverzüglich mir willfahrteUnd mir folgendes erzählte: