Druckschrift 
2 (1900) Zeitgedichte [u.a.] Neue Gedichte
Entstehung
Seite
117
Einzelbild herunterladen
 

Drittes Buch, Hebräische Melodien.

Ja, er ward ein großer Dichter,Stern und Fackel seiner Zeit,

Seines Volkes Licht und Leuchte,

Eine wunderbare, große

Feuersnulc des Gesanges,

Die der SchmerzenskarawaneIsraels vorangezogenIn der Wüste des Exils.

Rein und wahrhaft, sonder MakelWar sein Lied, wie seine SeeleAls der Schöpfer sie erschaffen,

Diese Seele, selbstzufrieden

Kiißte er die schöne SeeleUnd des Kusses holder NachklangBebt in jedem Lied des Dichters,.Das geweiht durch diese Gnade.

Wie im Leben, so im DichtenIst das höchste Gut die GnadeWer sie hat, der kann nicht siind'gcn,Nicht in Versen, noch in Prosa.

Solchen Dichter von der GnadeGottes nennen wir Genie:Unverantwortlicher KönigDes Gedankenreiches ist er.

Nur dem Gotte steht er Rede,

Nicht dem Volke In der Kunst,Wie im Leben, kann das VolkTöten uns, doch niemals richten.

II.

Bei den Wassern Babels saßenWir und weinten, nnsre HarfenLehnten an den Trauerweiden"Kennst du noch das alte Lied?

Kennst du noch die alte Weise,Die im Anfang so elegischGreint und sumset, wie ein Kessel,Welcher auf dem Herde kocht?

Lange schon, jahrtauscndlangeKocht's in mir. Ein dunkles Wehe!Und die Zeit leckt meine Wunde,Wie der Hund die Schwären Hiobs.

117