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2 (1900) Zeitgedichte [u.a.] Neue Gedichte
Entstehung
Seite
115
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Drittes Buch. Hebräische Melodien.

Lernen konnte hier der KnabeAlle Künste der Polemik;

Seine Meisterschaft bezeugteSpäterhin daS Buch Cosari.

Doch der Himmel gießt herunterZwei verschiedne Sorten Lichtes:Grelles Tageslicht der SonneUnd das mildre Mondlicht Also,

Also leuchtet auch der TalmudZwiefach, und man teilt ihn einIn Halacha und Hagada.

Erstre nannt' ich eine Fechtschnl'

Lctztrc aber, die Hagada,

Will ich einen Garten nennen,

Einen Garten, hvchphantastischUnd vergleichbar jenem andern,

Welcher ebenfalls dem BodenBabylons entsprossen weilandGarten der Semiramis,

Achtes Wunderwerk der Welt.

Königin Semiramis,

Die als Kind erzogen mordenVon den Vögeln und gar mancheVögeltümlichkeit bewahrte,

Wollte nicht ans platter ErdePromenieren, wie wir andernSäugetiere, und sie pflanzteEinen Garten in der Luft

Hoch auf kolossalen SäulenPrangten Palmen und Cypresscn,Goldorangen, Blumenbeete,Marmorbilder, auch Springbrunnen,

Alles klug und fest verbundenDurch unzähl'ge Hängebrücken,Die wie Schlingepflanzen aussahnUnd worauf sich Vögel wiegten

Große, bunte, ernste Vögel,

Tiefe Denker, die nicht singen,Während sie umflattert kleinesZeisigvolk, das lustig trillert