Zweites Buch. Lamentationen.
„O des schrcckensvollcn Tages!
Hier in diesem Saale war es,Und wie heute saß ich hierAn der königlichen Tafel.
„An dem obern Tafelende,
Dort, Ivo heute Don HenrieoFröhlich bechert mit der BlumeKastilian'schcr Ritterschaft —
„Jenes TagS saß dort Don Pedro,Finster stumm, und neben ihm,Strahlend stolz wie eine Göttin,Saß Maria de Padilla.
„Hier am untern End' der Tafel,Wo wir heut die Dame sehen,
Deren große LinnenkranseWie ein weißer Teller aussieht --
„Während ihr vergilbt GesichtchcnMit dem säuerlichen LächelnDer Citrone gleichet, welcheAns besagtem Teller ruht: —
„Hier am untern End' der TafelWar ein leerer Platz geblieben;
Eines Gasts von hohem RangeSchien der goldne Stuhl zu harren.
„Don Fredrego war der Gast,Dem der goldne Stuhl bestimmt warDoch er kam nicht — ach, wir wissenJetzt den Grund der Zögerung.
„Ach, zur selben Stunde wurdeSie vollbracht, die dunkle Unthat,Und der argloS junge HeldWurde von Don Pedros Schergen
„Hinterlistig überfallen,Und gebunden fortgeschlepptIn ein ödes Schloßgewölbe,
Nur von Fackelschein beleuchtet.
„Worten standen Henkersknechte,Dorten stand der rote Meister,Der, gestützt auf seinem Richtbeil,Mit schwermüt'ger Miene sprach: