Romancero — Letzte Gedichte.
Als er auf der Brust deS JünglingsJenes Medaillon gewahrte,
Das der Mutter Bildnis einschloß,Weinte Cortez helle Thränen —
Doch er wischt' sie ab vom AugeMit dem harten Biiffelhandschuh,Seufzte tief und sang im ChoreMit den andern: „NisorsrsU
III,
Blasser schimmern schon die Sterne,lind die Morgennebel steigenAus der Seeflut, wie GespensterMit hinschleppend weißen Laken.
Fest und Lichter sind erloschenAuf dem Dach des Götzentempels,Wo ani blutgetränkten EstrichSchnarchend liegen Pfaff und Laie.
Nur die rote Jacke wachtBei dein Schein der letzten Lampe,Süßlich grinsend, grimmig schäkernd,Spricht der Priester zu dem Gölte:
„Vitzliputzli, Putzlivitzli,
Liebstes Göttchen Vitzliputzli!
Hast dich heute amüsieret,
Hast gerochen Wohlgeriichc!
„Heute gab es Spanierblut —O, das dampfte so apptitlich,
Und dein feines LeckcrnäschenSog den Duft ein, wollustglänzcud.
„Morgen opfern wir die Pferde,Wiehernd edle Ungetüme,
Die des Windes Geister zeugten,Buhlschaft treibend mit der Seekuh.
„Willst du artig sein, so schlackst' ichDir auch meine beiden Enkel,
Hübsche Bübchen, süßes Blut,
Meines Alters einz'ge Freude.
„Aber artig mußt du sein,
Mußt uns neue Siege schenken —Laß uns siegen, liebes Göttchen,Putzlivitzli, Vitzliputzli!