Romancero — Letzte Gedichte.
Ein Minuten wie von Katzen,
Doch von jener großen Sorte,
Welche Tigcrkatzen heißenUnd statt Mäuse Menschen fressen!
Wenn der Nachtwind diese TöneHinwirft nach dem Seegestadc,
Wird den Spaniern, die dort lagern,Kätzcnjämmcrlich zu Mute.
Traurig unter TrauerweidenStehen diese dort noch immer,
Und sie starren nach der Stadt,Die im dunkeln Secgewässer
Widerspiegelt, schier verhöhnendAlle Flammen ihrer Freude —
Stehen dort wie im ParterreEines großen Schauspielhauses.
Und des Vitzliputzli-TempclsHelle Plattform ist die Bühne,
Wo zur Siegesfeier jetztEin Mysterium tragiert wird.
„Menschenopfer" heißt das Stück,Uralt ist der Stoff, die Fabel;
In der christlichen BehandlungIst das Schauspiel nicht so gräßlich.
Denn dem Blute wurde Rotwein,lind dem Leichnam, welcher vorkam,Wurde eine harmlos dünneMchlbreispeif transsubstituicret —
Diesmal aber, bei den Wilden,War der Spaß sehr roh und ernsthaftAufgefaßt: Man speiste Fleisch,Und das Blut war Menschcnblut.
Diesmal war es gar das VollblutVon Altchristcn, das sich nie,Nie vermischt hat mit dem BluteDer Moresken und der Juden.
Freu dich, Vitzliputzli, freu dich,Heute giebt es Spanierblut,
Und am warmen Dufte wirst duGierig laben deine Nase.