Erstes Buch. Historien. 57
Diese Rampcntrcppen leitenWie ein Zickzack nach der Plattform,
Einem balustradenart'gcnUngeheuern Tempeldach.
Dort auf seinem Thron-AltarSitzt der große Vitzliputzli,
Mexikos blutdürst'gcr Kriegsgott:
Ist ein böses Ungetüm.
Doch sein Äußres ist so Putzig,
So verschnörkelt und so kindisch,
Daß er trotz des innern GrausensDennoch unsre Lachlust kitzelt —
Und bei seinem Anblick denkenWir zu gleicher Zeit etwaAn den blassen Tod von BaselUnd an Brüssels Mannken-Piß.
An des Gottes Seite stehenRechts die Laien, links die Pfaffen:
Im Ornat von bunten FedernSpreizt sich heut die Klerisei.
Aus des AltarS MarmurstnfenHockt ein hundertjährig Mttnnlcin.
Ohne Haar an Kinn und Schädel:
Trägt ein scharlach Kamisölchen.
Dieses ist der Opferpricstcr,
Und er wetzet seine Messer,
Wetzt sie lächelnd, und er schieletManchmal nach dem Gott hinauf.
Vitzliputzli scheint den BlickSeines Dieners zu verstehen,
Zwinkert mit den AugenwimpernUnd bewegt sogar die Lippen.
Auf des Altars Stufen kauernAuch die Tcmpelmusici,
Paukenschläger, Kuhhornbläser —
Ein Gerassel und Getute —
Ein Gerassel und Getute,
Und es stimmet ein des ChoresMexikanisches Tedcnm —
Ein Miauten wie von Katzen —