Erstes Buch. Historien.
„Grabentstiegner Spuk der Nacht,Müssen büßend wir nnmnehreIrre gehn in diesen Mauern —
Miserere! Miserere!
„Ach, im Grabe ist es gut,
Ob es gleich Niel besser wäreIn dem warmen Himmelreiche —Miserere! Miserere!
„Süßer Jesus, o vergiebEndlich uns die Schuld, die schwere,Schließ uns auf den warmen Himmel —Miserere! Miserere!"
Also singt die Nonncnschar,
Und ein langst verstorbner KüsterSpielt die Orgel. SchattcnhändeStürmen toll durch die Register.
Pfalzgräfin Jutta.
Pfalzgräfin Jutta fuhr über den RheinIm leichten Kahn, bei Mvndenschein.Die Zofe rudert, die Gräfin spricht:
„Siehst du die sieben Leichen nicht,Die hinter uns kommenEinhergeschwvmmen? —
So traurig schwimmen die Toten!
„Das waren Ritter voll Jngendlust —Sie sanken zärtlich an meine BrustUnd schwuren mir Treue — Zur Sicherheit,Daß sie nicht brächen ihren Eid,
Ließ ich sie ergreifenSogleich und ersäufen —
So traurig schwimmen die Toten!"
Die Zofe rudert, die Gräfin lacht.DaS hallt so höhnisch durch die Nacht!Bis an die Hüften tauchen hervorDie Leichen und strecken die Finger empor,Wie schwörend — Sie nickenMit gläsernen Blicken —
So traurig schwimmen die Toten!