Romancero — Letzte Gedichte.
„Des Himalaja GipfclschnceErscheint aschgrau in ihrer Näh';
Die Lilie, die ihre Hand erfaßt,
Vergilbt durch Eifersucht oder Kontrast.
„Gräfin Bianka ist der NameVon dieser großen weißen Dame;
Sie wohnt zu Paris im Frankenland,
Und diese liebt der Elefant.
„Durch wunderbare Wahlverwandtschaft,Jnr Traume macht er ihre Bekanntschast,Und träumend in sein Herze stahlSich dieses hohe Ideal.
„Sehnsucht verzehrt ihn seit jener Stund',Und er, der vormals so froh und gesund,
Er ist ein vierfüßiger Werther geworden,Und träumt von einer Lotte im Norden.
„Geheimnisvolle Sympathie!
Er sah sie nie und denkt an sie,
Er trampelt oft im Mondschein umherUnd seufzet: ,Wenn ich ein Vvglein war'!'
„In Siam ist nur der Leib, die GedankenSind bei Bianka im Lande der Franken;
Doch diese Trennung von Leib und SeeleSchwächt sehr den Magen, vertrocknet die Kehle.
„Die leckersten Braten widern ihn an,Er liebt nur Dampfnudeln und Ossian;Er hüstelt schon, er magert ab,
Die Sehnsucht schaufelt sein frühes Grab.
„Willst du ihn retten, erhalten sein Leben,Der Sängetierwelt ihn wiedergeben,
O König, so schicke den hohen KrankenDirekt nach Paris, der Hauptstadt der Franken.
„Wenn ihn alldort in der WirklichkeitDer Anblick der schönen Frau erfreut,Die seiner Träume Urbild gewesen,
Dann wird er von seinem Trübsinn genesen.
„Wo seiner Schönen Augen strahlen,Da schwinden seiner Seele "Qualen:
Ihr Lächeln verscheucht die letzten Schatten,Die hier sich eingenistet hatten;